23.01.15

Der große Trip - Wild (USA 2014)

Ich bin einsamer in meinem wahren Leben als ich es hier draußen bin. Ich vermisse natürlich meine Freunde, aber es ist nicht so, dass zu Hause jemand auf mich wartet.
Meine Mutter hat etwas gesagt, das mich fast verrückt gemacht hat: Es gibt jeden Tag einen Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Man selbst kann entscheiden, ob man ihn sehen will oder nicht. Nur du selbst kannst dich dieser Schönheit aussetzen.
© 2014 Twentieth Century Fox
Biancas Blick:

Was bringt eine 26jährige Frau dazu, einen der längsten (und härtesten) Wanderwege der USA – den 1600 Kilometer langen Pacific Coast Trail – entlangzuwandern?

Der Weg ist das Ziel


DER GROßE TRIP – WILD basiert auf den Memoiren der Amerikanerin Cheryl Strayed, die diesen Weg 1995 zurücklegt.
Nach dem Tod ihrer geliebten Mutter Bobbi und nach der Scheidung von ihrem Mann verliert Cheryl sich selbst in einem Gespinst aus Drogen und Sex. Weder Psychologen noch Freunde oder ihr Ex-Mann können sie aus diesem Sumpf ziehen.
„Um die Frau zu finden, die ihre Mutter gern in ihr gesehen hätte“, macht Cheryl sich auf, in Einsamkeit und Kargheit zu sich selbst zu finden und ihr wahres Ich zu entdecken.
So startet sie, unzureichend vorbereitet und völlig überfordert, die Reise, um innerhalb der vor ihr liegenden drei Monate über sich selbst hinauszuwachsen und der eigenen Verangenheit schmerzvoll und doch befreiend ins Auge zu blicken.

In knapp zwei Stunden entwickelt Regisseur  Jean-Marc Vallée, der 2013 mit DALLAS BUYERS CLUB für Furore sorgte, aus dieser Prämisse einen emotionalen Film, der sowohl Cheryls Wandlung während ihres Trips als auch ihre bewegte Vergangenheit vor den Augen der Zuschauer spürbar macht.
Dabei werden nicht alle Motivationen und Zusammenhänge geklärt, manches bleibt nur angerissen und muss vom Zuschauer selbst zusammengefügt werden.
© 2014 Twentieth Century Fox
Spannend ist dabei, wie die Natur zum Spiegelbild für Cheryls Seelenleben gerät: zunächst die ausgedörrte Mojave-Wüste, dann kalt, unwirtlich und ohne Anhaltspunkte, und letztendlich wärmend und verheißend und offen gerät die Szenerie zum Spiegelbild von Cheryls Seele und unterstreicht die Zerrissenheit und Verletzbarkeit der jungen Frau.
WILD ist mehr als ein Seelentrip, es ist vielmehr die Entdeckung der Schönheit des eigenen Lebens.
Der Film ist nicht in allen Details geglückt, so wird die für die Handlung so wichtige Figur der Mutter Bobbi mit so groben Strichen gezeichnet, dass der Hauptmakel in Cheryls Leben kaum nachvollziehbar wird. Im direkten Vergleich etwa mit INTO THE WILD kommt der Film etwas schlechter weg, und hat auch eine andere Prämisse, dennoch liegt er auf einem guten zweiten Platz und liegt als Selbstfindungsdrama und berührende Charakterzeichnung weit über dem Durchschnitt und ist absolut sehenswert.

Der amerikanische Jakobsweg


Der Pacific Coast Trail, kurz PCT, ist über 4000 Kilometer lang und verläuft von der Mexikanischen bis zur Kanadischen Grenze. Der PCT ist neben dem Appalachian Trail und dem Continental Divide Trail einer der sogenannten Triple-Crown-Wege. Jedes Jahr versuchen etwa 300 bis 400 Wanderer den Pacific Coast Trail zu absolvieren, auch wenn nicht jeder die volle Distanz geht. (Cheryl Strayed selbst beendete ihre Reise an der Grenze von Oregon nach Washington.)
Die Wanderer setzen sich den Strapazen aus unterschiedlichen Gründen aus. Einige wollen nur zu sich selbst finden, als kontemplative Selbsterfahrung, andere wandern gern und nehmen Teile der Strecke als Wanderweg mit Freunden oder Familie, da die Strecke durch einige sehenswerte Nationalparks verläuft.
Im Gegensatz zum Jakobsweg liegt den Wanderwegen in den USA kein religiöser Gedanke zugrunde.

Ich suche mir meine eigene Rolle!


Nicht nur für Cheryl Strayed, auch für den Star Reese Witherspoon kommt die Geschichte einer kleinen Erlösung gleich, denn mit annähernd Vierzig werden gute Rollen immer rarer. Ein vielversprechendes Engagement , das in Tim Burtons BIG EYES, schlägt sie schließlich WILD zuliebe aus.

Erste Aufmerksamkeit erregt Witherspoon, die seit 1991 in Hollywood arbeitet und schon mit 14 vor der Kamera steht, 1996 in dem Film FREEWAY an der Seite von Kiefer Sutherland. Ihren ersten kleinen Durchbruch schaffte sie drei Jahre später in EISKALTE ENGEL, der Neuverfilmung des Dramas GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN von 1988, in der auch Ryan Phillipe mitspielt.
Kurz vor dem gemeinsamen Dreh lernt sie Philippe auf einer Party kennen und lieben, sie heiraten und bekommen zwei Kinder.
Mit NATÜRLICH BLOND avanciert Witherspoon zu einem der Topstars Hollywoods und fährt gigantische Gagen ein. Sie ist am Zenit angekommen, den sie 2006 mit einem Oscar für ihre Rolle der June Carter in WALK THE LINE veredelt. Ein Jahr später wird die Ehe mit Philippe geschieden.

Wer aber gedacht hätte, jetzt würden die schmackhaften Angebote haufenweise an sie herangetragen werden, der irrt! Trotz des Oscars sind gute Rollen rar. Erwähnenswert wären noch MACHTLOS und MUD.
Reese Witherspoon droht in der Versenkung zu verschwinden.
© 2014 Twentieth Century Fox
Da kommt ihr Cheryl Strayeds Roman „Der große Trip: Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst“ in die Hände. Die echte Cheryl Strayed schickt es dem Agenten von Witherspoon, der zunächst äußerst skeptisch reagiert: Eine junge Frau auf einer Wanderung, Drogen und Sex, scheinen nicht wirklich interessant oder für Witherspoons Image förderlich zu sein.
Doch Litertaurnerd Witherspoon – die auch schon GONE GIRL mitproduziert hat – erkennt das Potenzial sofort und kauft die Filmrechte, entgegen der Image-Ratschläge. Sie lässt auch die Studios außen vor, die sich in der der Vergangenheit wenig kooperativ gezeigt haben, sie in einer atypischen Rolle zu casten. Also produziert sie den Film selbst und übernimmt darüber hinaus die Hauptrolle.

Mit wachen Augen beobachtet


Cheryl Strayed ist bereits in der Vorbereitungsphase jeden Tag anwesend, ebenso beim Dreh, was Witherspoon zunächst etwas verunsichert: „Ich habe Cheryl nicht nur gut kennengelernt, sondern sie fast jeden Tag bei den Dreharbeiten gesehen. Das machte mich am Anfang durchaus ein wenig nervös, so gerne ich sie mag. Das Gefühl, ausgerechnet von ihr gemustert zu werden, war mir irgendwie unbehaglich.“ Doch schon bald legt sich das Unbehagen und Strayed wird zu einer Art „Sicherheitsnetz“ für die Schauspielerin.
Die Rolle der jungen Cheryl im Film wird von Strayeds echter Tochter gespielt, was den Film noch dichter und bedrückender werden lässt.
Witherspoon, eher bekannt für romantische Liebeskomödien, wagt mit dieser Rolle einen Imagewechsel. Sie selbst bezeichnet es als Ergebnis eines „Reifeprozesses“: „Ich bin einfach nicht mehr die Gleiche, die ich noch vor fünf oder zehn Jahren war. Damals wäre ich vielleicht für eine Herausforderung wie diese noch nicht bereit gewesen. Aber heute bin ich es. Wenn man sich als Künstler nicht stetig weiterentwickelt und Neues ausprobiert, kommt das doch einem Scheitern gleich.“  So wird WILD tatsächlich auch zu einer Mutprobe für Witherspoon, die sich als Hauptproduzentin und Herrin über das Ergebnis weit über ihre bisherigen Grenzen hinauswagt.
© 2014 Twentieth Century Fox

Ein sehr aufregender Quickie


Jean-Marc Vallée, der bereits Matthew McConaughey und Jared Leto zu Darsteller-Oscars verholfen hat, zeigt auch in WILD eine behutsame und detailgetreue Darstellerführung und verhilft Witherspoon zu einer ihrer besten Leistungen.
Er selbst bezeichnet den Dreh zu WILD als „einen Quickie. Es war aber ein aufregender, aufregender  Quickie.“ Weiter erzählt er, es sei alles sehr schnell gegangen: von Witherspoons Lektüre des Buches, zum Rechtekauf, Hornbys Drehbuch, dem ersten Drehtag und dem Endschnitt wäre kaum ein Jahr vergangen. „DALLAS BUYERS CLUB dauerte 20 Jahre länger in der Umsetzung.“

Die wahre Herausforderung war für Vallée der Endschnitt, in dem sowohl Cheryls aktuelle psychische Verfassung als auch die Rückblenden in eine nachvollziehbare Folge gebracht werden mussten. „Ich hatte zwischen 80 und 100 Möglichkeiten im Kopf und musste mich stetig entscheiden“, resümiert Vallée, der mit solchen Flashbacks noch keine Erfahrung hatte. Als wahre Unterstützung bei dieser Arbeit erwies sich Drehbuchautor Nick Hornby, der als Autor weit mehr Erfahrung aufwies. Dennoch erarbeitete Vallée den Schnitt unter dem klangvollen Psyeudonym „John Mac McMurphy“.
© 2014 Twentieth Century Fox
Als der Film Premiere feiert, unterstellen Experten Witherspoon noch höhere Oscarchancen als McConaughey im Jahr zuvor, was Vallée eher zu erheitern scheint: „Vielleicht erweise ich mich ja als Oscarmagnet“, sagt er dazu lachend.


Dysharmonische Harmonie


Schon bei INTO THE WILD erwies sich der Soundtrack als heimlicher Co-Star des Films. Auch bei WILD wird deutlich, dass der Soundtrack, obwohl ungewöhnlich gesetzt, eine enorme Bedeutung besitzt und das Rückgrat des Films bildet. Aufällig ist bei der Musik: Innerhalb der ersten Stunde wird kein eingespieltes (in der Regel populäre) Lied bis zum Refrain getragen, alle Lieder brechen vorzeitig ab, was den Zuschauer verwundert und irritiert zurücklässt. Die Titelmelodie „El Condor pasa“ wird drei Mal brachial abgebrochen, bevor der eigentliche Gesang einsetzt. Dieser setzt letztendlich erst ein, als Cheryl es endlich wagt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ab dem Augenblick wirkt jeder Song deutlich harmonischer. (Und führt zu einer humorvollen Einlage, in der ausschließlich ein eingesungener Refrain (mit Ohrwurmgefahr!) genutzt wird.)
Bis zu diesem Zeitpunkt dient die Musik nur dem Zweck, die kurzen Erinnerungen zu symbolisieren,, die Cheryl sich gestattet und anzuzeigen, dass sie die Gedanken abbricht, sobald ihre Gefühle zu intensiv werden und sie Angst bekommt. Das Ergebnis ist ein Gefühl des „Unvollendet seins“, das den Zuschauer die erste Stunde stets begleitet.
© 2014 Twentieth Century Fox
Auch scheint die Musik oft aus der Ferne zu kommen oder aus einer anderen Welt – was eine entfernte Erinnerung symbolisieren soll. Am deutlichsten wird dieser Kunstgriff erneut im Simon & Garfunkel-Song „El Condor pasa“, der bei seiner Ausspielung aus Radios, Hintergründen oder Fernsehern zu kommen scheint, je nach Szene auf der Leinwand.

Marcos Blick:

Auf den ersten Blick wirkt der britische  Autor Nick Hornby als eher ungewöhnliche Wahl, Cheryl Strayeds Biografie „Wild: From Lost to Found on the Pacific Crest Trail“ in ein Drehbuch umzumünzen – ein englischer, männlicher Autor, Ende Fünfzig, erzählt aus dem Seelenleben einer 26jährigen Amerikanerin? Viel größer könnte die Diskrepanz kaum sein.
Erst auf den zweiten Blick zeigt sich, dass vermutlich nur wenige Autoren geeigneter für den Stoff gewesen wären.

Auf der Suche nach ...


Nick Hornby wird im April 1957 im englischen Redhill geboren und schafft gleich mit seinem Debütwerk den Durchbruch: 1992 erzählt er in „Fever Pitch“ von seiner Liebe zum Fußballclub Arsenal London. Ihm gelingt es sensationell, das Lebensgefühl der Frühdreißiger seiner Generation einzufangen.
© 2014 Twentieth Century Fox
Spätestens mit seinen Folgeromanen „High Fidelity“ und „About a Boy“ wird er zum Superstar – und Sprachrohr seiner Generation. Wie kein Autor zuvor vermittelt er das Lebensgefühl der Thirtysomethings – Männer, die zu alt sind, Kinder zu sein, und sich zu jung fühlen, schon erwachsen zu werden. Themen wie Verantwortung, Spaß, Familie und Verpflichtungen durchziehen seine Werke.
Erst im Anschluss weitet sich ein Œuvre. In „How to be good“ erzählt er seine Geschichte erstmals aus weiblicher Sicht – und erweist sich als überaus einfühlsam und talentiert, was sich auch im Folgewerk „A long way down“ zeigt, der zwei weibliche und zwei männliche Perspektiven aufeinander loslässt.
In „Slam“ erzählt er erstmals aus der Sicht eines Teenagers, und kehrt in „Juliet, naked“ und aktuell „Funny girl“ wieder in die feminine Sichtweise zurück.
Hornby ist also mehr als erfahren darin, tiefgehende, psychologische Geschichten aus weiblicher Sicht zu erzählen – und wird weltweit dafür gelobt.

Noch bezeichnender ist allerdings das Thema, das nahezu all seinen Romanen zugrunde liegt: In Hornbys Romanen geht es stets um Figuren, die in derselben Situation stecken wie Cheryl Strayed. Sie sind an einem Scheidepunkt des Lebens angekommen. An einem Punkt, an dem sie ihr altes Leben nicht weiterführen können und in kein neues finden. Hornbys Figuren sind immer Menschen, die verlorengegangen sind, oder sich selbst verloren haben, und versuchen, sich selbst wiederzufinden – und den Weg, den sie fortan gehen wollen. Dafür müssen sie stets eine Zeit totaler Orientierungslosigkeit durchleben, totalen Chaos‘, um am Ende aus dem Nebel hervorzutreten und, mit ihrem neuen Selbst versöhnt, „in den Sonnenuntergang“ zu reiten. Oder anders gesagt: Hätte Cheryl Strayed ihre Geschichte nicht geschrieben, hätte Hornby sie erfinden müssen!


Nipple Jesus


Das ist vermutlich auch Hornby klar. Als der kurz nach Erscheinen Cheryl Strayeds Buch in die Finger bekommt, verliebt er sich sofort in das Buch und weiß: er will das Drehbuch dafür schreiben.
Erfahrung hat er ebenfalls – schon 2009 verfasst er das Drehbuch für die Memoiren „An Education“ der Journalistin Lynn Barber – und erhält prompt eine Oscarnominierung!
Hornby erkundigt sich, wer die Filmrechte für Strayeds Buch erworben hat – und ist in keiner Weise überrascht, dass Reese Witherspoon zugeschlagen hat.
© 2014 Twentieth Century Fox
Hornby lernt Witherspoon auf einer Party im Zuge seines Hollywoodausflugs von AN EDUCATION kennen und ist fasziniert. Obwohl er diverse Bestseller geschrieben hat, und mit „Fever Pitch“, „High Fidelity“ und „About a Boy“ bereits drei Filmvorlagen verfasst hat, begrüßt Witherspoon ihn mit den Worten: „Bist du nicht der Autor der ‚Nipple Jesus‘ geschrieben hat?“ Hornby erwartet nicht, für eine seiner kleineren Kurzgeschichten erkannt zu werden (Die es mittlerweile zum Theaterstück geschafft hat). Die beiden kommen ins Gespräch, bei dem Hornby herausfindet, dass Witherspoon ein totaler Buchnerd ist und ein Auge für gute Stoffe hat. Witherspoon ihrerseits bekundet hohen Respekt für Hornbys Arbeit.

Als Hornby sich mit Witherspoons Management in Verbindung setzt, und darum bittet, einen Drehbuchentwurf für WILD abliefern zu dürfen, erinnert sie sich sofort an den Autor – und gibt ihm grünes Licht.

Textmarker und die Sache mit der Musik ...


Hornby erklärt, dass die Arbeit an WILD unglaublich erfüllend, aber auch schwierig gewesen sei. Als er das Buch ein zweites Mal durchgeht, und alle Stellen markiert, die er gerne im Film sehen würde, erkennt er, dass das Buch genügend Stoff für drei Filme bietet – bevor Cheryl Strayed auch nur einen Schritt wandert.
Mühevoll kürzt er die Stellen zusammen und entscheidet sich schließlich dafür, die chronologische Struktur des Buches aufzubrechen und eine rückwärtsgerichtete Handlung zu verwenden: Er stellt der Wanderung eine Reihe von Rückblenden entgegen, die chronologisch immer weiter zurückreichen und von der Scheidung bis zum Ursprungstrauma, dem Tod von Cheryls Mutter, zurückkehren. (Diese Struktur wird im endgültigen Schnitt wieder etwas aufgeweicht, bleibt aber noch erkennbar.)
Cheryl Strayed ist von den Änderungen begeistert und genießt die Zusammanarbeit mit Hornby sehr.

Die Kürzungen erweisen sich allerdings noch als schwierig, denn nachdem Hornby sich für die Buchstellen entschieden hat, die er im Film sehen will, melden Reese Witherspoon und Regisseur Jean-Marc Vallée ebenfalls Wünsche an, so dass Hornby am Ende alles unter einen Hut bringen muss.
Vor allem versucht Hornby, übrigens erfolgreich, genau die Stellen aus Strayeds Wanderung hervorzuheben, in denen sie besonders verängstigt und besonders zufrieden ist.
© 2014 Twentieth Century Fox
Wie wohl nicht anders zu erwarten, verwendet Nick Hornby noch ein weiteres Element, das seine Romane stets auszeichnet: Musik! (Für Hornby, Autor des sagenhaften Werkes „31 Songs“ lässt sich die Welt stets in Musik auflösen. So erklärt er, Cheryls ungeplante, nur auf sich gerichtete Entscheidung zur Wanderung gleiche Bruce Springsteens Album "Darkness on the Edge of Town" ...)
Zwar hat er auf den letztendlichen Soundtrack des Films keinen Einfluss, obwohl man es vermuten könnte, trotzdem zeigt sich deutlich, welchen enromen Stellenwert die Musik im Film einnimmt.
Hornby bewundert das Buch und Cheryl Strayed vor allem für den lyrischen Klang, der ihm alles vorgegeben habe: „Cheryl hat so eine Bewunderung und Liebe zur Musik, und ihr Schreibstil ist wirklich sehr melodisch.“
Hornby versucht, diese Melodik in den Voice-Overs des Films einzufangen: “Wir wollten im Voice-Over diesen Sound einfangen, das, was in Cheryls Kopf vorgeht. Es fängt mit diesem abgehackten, zerstückelten Strom von Flüchen und Schimpfwörtern an, mit alten Fetzen von Werbung und Songtexten, die ihr in den Sinn kommen, und am Ende der Geschichte haben wir etwas, das eher dem klassischen Voice-Over im Film gleicht. Das Ganze vermittelt, hoffentlich, einen gewissen musikalischen Aspekt.“

Aktuell hat Hornby das Drehbuch für die irische Komödie BROOKLYN verfasst, die diesen Monat US-Premiere feiert.
Als Drehbuchautor sieht Hornby sich dennoch nicht. „Ich schreibe mal für englische Independentfilme. Auch WILD war ein Independentfilm, weit ab vom Studiosystem. Der Regisseur ist Kanadier, die Crew kam aus der ganzen Welt, allein Reese vertrat das typische Hollywood. Aber ich schreibe keine großen Filme, ich mache keine Rewrites. Es ist für mich ein Abenteuer, eine angenehme Nebenbeschäftigung, aber nicht mein Hauptjob. Hauptsächlich bin ich Romanautor.“

Wenn ein so sehenswertes Werk wie WILD dabei herauskommt, darf Hornby aber gerne öfter für die Leinwand schreiben.
© 2014 Twentieth Century Fox

Kommentare:

  1. Zu dem Einsatz der Musik kann ich was sagen. Im Presseheft zu Film stand folgendes:

    „Die Antwort darauf, wie ich auf dem PCT Musik einsetzten sollte, war zunächst nicht offensichtlich. Cheryl hat überhaupt keine Musik gehört während ihrer Wanderung 1995, sie hatte überhaupt kein Abspielgerät bei sich. Warum sollten wir daran etwas ändern? Keine Musik also auf dem Trail, wie in der Realität. Im Schneideraum habe ich mich dann dabei ertappt, dass ich ein bisschen von diesem Konzept abweichen, etwas schummeln wollte. Ich wollte einen Sound neben ihrem Summen oder Singen. Aber es sollte keine Score-Musik sein. Ich wollte beim Publikum nicht dieses ‚Wir gucken einen Film’-Gefühl, wie ich es oft bei einem Score bekomme: Mir wird bewusst, dass ich einen Film sehe. Jemand spielt Musik, die die Filmfigur nicht hören kann. Ich vermeide das bei all meinen Filmen, und bei WILD wollte ich es erst recht vermeiden. Und dann finde ich mich im Schneideraum wieder, wie ich versuche, Musik drauf zu legen. Und mich dabei nicht vom Zuschauer ertappen zu lassen, den Versuch des Realismus aufrecht zu erhalten, mit realer Musik, Quellenmusik. Auf geisterhafte Weise, von weit weg, als kämen sie aus Cheryls Vorstellung. Wir haben mit Hall-Effekt gearbeitet, als versuche sie, sich an Songs aus ihrer Vergangenheit zu erinnern, oder Teile von Songs. So wurde es zu einer Regel, eine Rückblende langsam einzuleiten und langsam wieder rauszugehen“, erklärt Vallée. „Die Vorgabe war: Musik nur bei Rückblenden. Und wenn, dann aus einer Quelle, einem Autoradio, einem CD-Player. Was Cheryl in ihrem Leben gehört hat, hören wir im Film.“

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  2. Super, vielen Dank! Das ist ein sehr guter Hinweis!
    Die Musik ist echt toll in dem Film, schöne Stücke dabei!

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  3. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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