25.08.14

When Animals Dream (DK 2014): Frischfleisch im Werwolf-Genre

Marie steht im Badezimmer. Sie ist frisch geduscht, ihr Körper noch nass. Langsam wendet sie ihren Blick hinab zur Brust, zu dem kleinen roten Fleck auf der Haut, der plötzlich gekommen ist und von dem sie nicht weiß, woher oder warum. Heute hat er sich weiter verändert: Lange Haare, fast wie Fell sprießen hervor. Marie berührt sich, streichelt das Fell, wirkt verängstigt, vielleicht auch neugierig. Sie überlegt kurz. Dann greift sie zum Rasierer.

© Prokino
Biancas Blick:

Bereits in dieser kurzen Szene liegen viele Deutungsmöglichkeiten des Films.
Marie, ein heranwachsendes Mädchen aus einem dänischen Küstendorf, das mit seinem Vater und seiner kranken Mutter in einem kleinen Haus wohnt, verändert sich körperlich auf beänstigende Weise. Sie verwandelt sich in eine Art Tier. Doch warum und wieso gerade jetzt? Langsam entblättert sich vor den Augen der Zuschauer die Suche nach der eigenen Geschichte, der Wahrheit über Maries Herkunft und ihrem Schicksal. Warum hat das Dorf solche Angst vor ihr und ihrer Mutter und welche Rolle spielt ihr Vater? Nur in dem jungen Fischer Daniel findet sie einen Vertrauten, einen Freund. Als die Situation in einem Mord kulminiert, stellt sich die Frage: Wem kann Marie wirklich vertrauen und wer oder was ist sie?

Vom Außenseiterdasein bis zur Pubertät


Der Film ist auf der einen Seite ein typischer Beitrag zur Werwolf-Thematik, auf der anderen Seite ist er neu und innovativ.
Zwar deutet die Veränderung des Körpers, die den ganzen Film durchzieht und die – auf Marie und ihre nahe Umwelt – beängstigend und anziehend zugleich wirkt, auf eine Pubertätsmetapher hin, doch gleitet der Film bald in eine ganz andere Richtung: in eine Geschichte um ein Außenseiterdasein und den Umgang damit. Es geht um den Kampf nach Anerkennung, die Suche nach Zugehörigkeit, das Akzeptieren des Selbst und des Anderen, das Finden von Verständnis und Liebe. Aber auch um die Frage, wer eigentlich das Monster ist, in diesem Mikrokosmos aus Veränderung, Angst und Vorurteilen.

Sicherlich, schaut man sich die Geschichte des Werwolfs im Film an, sind auch das keine Neuheiten, hat man all das bereits auf genial schwarz-humorige Weise in der GINGER SNAPS-Trilogie gesehen. Und dennoch ist der Beitrag, den WHEN ANIMALS DREAM leistet, anders.
Er ist nicht komisch oder humorig. Zu keinem Zeitpunkt.

Marie erfüllt in diesem Film auch keine selbst gewählte Außenseiterrolle. Im Gegenteil. Sie ist der Heranwachsenden, die sowieso mit ihrer aufkeimenden Weiblichkeit zu kämpfen hat, zusätzlich aufgezwungen und diese leidet darunter. Marie kämpft um Zugehörigkeit und Akzeptanz, wird aber für das, was sie zu sein scheint, von ihren Kollegen in der Fischfabrik gemobbt und tätlich angegriffen. Es sind mehr als sexuelle Übergriffe.
In einer Szene erklärt ihr alter Freund Felix: „Deine Mutter war schön. Alle haben sich zu ihr hingezogen gefühlt und hatten gleichzeitig Angst vor ihr.“
Genau dasselbe spielt sich in Maries Leben und ihrem Umfeld ab.

Lautes Schweigen, elegische Bilder


Anders als in vorherigen Werwolf-Filmen ist dieser außergewöhnlich still. Es wird nur das Nötigste gesprochen. Das Allernötigste. Der Film schafft es neben seiner hervorragenden Fotografie vor allem durch seine herausragenden Schauspieler, allen voran Sonia Suhl als Marie, Emotionen, Gedanken und Gefühle mimisch und gestisch zu transportieren.

Es wird nichts erklärt, weder zum Ursprung der Verwandlung, noch zu den Folgen. Hintergründe und Erklärungen erschließen sich visuell während des Filmverlaufs.
Mit Sonia Suhl ist nicht nur das schauspielerische Casting geglückt, sondern auch die Physis. Groß, langgliedrig und drahtig unterstreicht sie auch optisch etwas Animalisches, aber auch den Punkt des Erwachsenenwerdens, in dem noch kein Glied zum anderen zu passen scheint. 

Dänemarks Küsten eignen sich gut, die triste Kargheit bildlich zu untermalen und werden hervorragend eingefangen. Lange Einstellungen einer rauen Felswand, eines alten Bunkers in der Meeresbrandung und eines verrottenden Fischkutters am Hafen zeigen exemplarisch Gegenstände, die in die Landschaft gefallen zu sein scheinen, wie eben auch Marie in die Zusammenhänge, die sich vor ihr auftun. Die Welt des Films zeigt sich einsam. Isoliert. Unverstanden.
Das Wetter ist stürmisch, nass, kalt, die Sonne scheint kein häufiger Gast in dieser Gegend zu sein. Grau in Grau ergießen sich die Stimmungen und Bilder vor dem Auge der Zuschauer und spiegeln die Atmosphäre und Tristheit im Leben der Protagonisten wider.
© Prokino
Doch auch die Figuren weiß die Kamera gut einzufangen. Hervorzuheben sind die Groß- und Detailaufnahmen von Maries Körper. Es sind ihre Augen, ihre Haare, ihr sich verändernder Rücken während kurzer Augenblicke sexueller Begierde, die die Kamera wirken lässt. Zerbrechlich, wunderschön und doch gefährlich und angsterregend.

Debüt


Die Geschichte des Werwolfs, des im Körper eines todbringenden Tieres gefangenen Menschen, der sich bei Vollmond verwandelt und nur durch Silberkugeln zu töten und zu befreien ist, durchzieht die Welt des Films seit über hundert Jahren! Es gibt etwa 150 Werwolf-Filme, die sich thematisch im Laufe der Jahre stark verändert haben.

Tatsächlich ist der erste erwähnte Werwolf-Film, THE WEREWOLF von Henry MacRae, bereits 1913 als Stummfilm entstanden und gilt als erster Film des Genres. Der Film kommt aber, wie echte Werwölfe, nicht über einen Mythos hinaus, da jedes Material dazu als verschollen gilt.

Popularität


Bevor 1941 mit DER WOLFSMENSCH der erfolgreichste und bekannteste Film dieses Genres in seiner Frühzeit in die Kinos kommt, entsteht sechs Jahre zuvor DER WERWOLF VON LONDON.
Der Film handelt vom Werwolf-Fluch und dem Kampf dagegen, die Suche nach einem Gegengift, das äußerst tragisch endet.
Das Frühwerk floppt allerdings sensationell, vermutlich weil DR. JEKYLL UND MR. HYDE von 1931 mit Frederic March den Zuschauern noch allzu deutlich im Gedächtnis ist und sie mit der Gut-Böse-in-einer-Seele-Metapher noch gesättigt sind.

Bis in die frühen 80er Jahre bleibt die Metapher der Werwolf-Filme dieselbe: Ein Mann wird gebissen oder verletzt und dadurch sein animalisches Ich freigesetzt. Tagsüber normal und integer, wird er in Vollmondnächten zum Monster, das wahllos Menschen tötet und ebenso infiziert. Das Animalische, Intuitive hat in einer Welt der Konformität und angepassten Gesellschaft nichts verloren und muss vernichtet werden.
Mit Lon Chaney Jr. und Claude Rains betreten 1941 zwei großartige Charakterschauspieler die Filmbühne, um sich dieses Stoffes anzunehmen. Unter der Regie von George Wagner wird DER WOLFSMENSCH - neben DRACULA und FRANKENSTEIN - zu einem der erfolgreichsten Vertreter des frühen Horror-Genres.

Die Geschichte ist wieder die des Unschuldigen, der angefallen wird, auf den der Fluch übergeht und der versuchen muss, ihn zu brechen. Obwohl der Plot eher banal wirkt, wird der Film ein Riesenerfolg. Die Maske ist wesentlich ausgefeilter als beim Vorgänger DER WERWOLF VON LONDON. Sie sollte dort bereits benutzt werden, schränkte den Schauspieler aber zu sehr im Spiel ein, so dass sie auf ein Minimum reduziert wurde.
Jetzt aber kommt sie zum Einsatz, was bedeutet, dass Lon Chaney Jr. bis zu sechs Stunden in der Maske sitzt, um in die Maske aufgesetzt zu bekommen, und weitere drei, um sie abzunehmen.
© Prokino
Die Maske des Werwolfs ist allerdings einer der Schlüssel für den Erfolg eines Werwolf-Films. Je besser und realistischer die Verwandlung dargestellt wird, desto mehr fesselt die Geschichte und wirkt glaubwürdiger. Das ist bis heute so.
Dem Erstling des WOLFSMENSCHS folgen aufgrund des enormen Erfolgs viele Cross-Overs mit anderen Horrorfiguren wie Frankenstein oder Dracula. Die Universal Studios pressen den Erfolg bis zum Äußersten aus.

2010 realisiert Benicio del Toroein Remake des Klassikers. Er brauchte "nur" noch 3 Stunden, bis er die Maske aufhatte und 1 Stunde zum abnehmen.

Farbe und Trash


Natürlich darf kein Hammer-Beitrag fehlen, wenn es um klassische Filmmonster geht! Die Hammer-Studios in London machten es zu ihrem Kerngeschäft, Horrorfilme zu produzieren. Am bekanntesten sind sicherlich ihre Dracula-Interpretationen mit Christopher Lee und Peter Cushing.
1961 nehmen sie sich des Wolf-Stoffes an und besetzen in DER FLUCH VON SINIESTRO  den Werwolf prominent mit Oliver Reed als spanischem Jungen, der sich zunehmend in einen Werwolf verwandelt und aus Erbarmen erschossen werden muss. Neu und konsequent ist die Entstehung des Werwolfs: Er ist das Kind einer stummen Magd, die von einem zum Werwolf mutierten Bettler vergewaltigt wird! Understatement ist nicht Sache der Hammer-Studios!
Wie immer ist die Hammer-Produktion bunt und grell und blutig! So blutig, dass es den bis dato größten Streit zwischen der Zensurbehörde und der Produktionsfirma gibt. Der Film wird erst freigegeben, nachdem ein Großteil der Mordszenen entgrellt (also abgedunkelt) oder ganz herausgeschnitten werden. Aus diesem Grund bleibt DER FLUCH VON SINIESTRO der einzige Werwolf-Film der Hammer-Studios.
Dem Film wird von der Kritik viel Ambitionismus unterstellt, was ihn – zu damaligen Zeiten – über den Durchschnitt hebt.
Für seine Bilder wird der Film allerdings gefeiert, besonders, dass er „rein visuell das Beste sei, was der Horrorfilm zu bieten habe“.

Humor und Maske


Mit AMERICAN WERWOLF wird das Genre 1981 neu befeuert! Und wie!
Mit genau zwei Neuerungen: feiner Ironie und sensationeller Maske und Effekten.
Obwohl die grundlegende Geschichte wieder an die vorigen angelehnt ist, wirkt der Film enorm innovativ. Er spielt mit Traum und Wirklichkeit, Tragik und Humor. Er schafft Protagonisten, mit denen der Zuschauer leidet und sich ängstigt und denen Regisseur John Landis, der auch das Drehbuch schreibt, Leben und Charakter einhaucht.

Der Film ist konsequent und sehr blutig und dennoch ertappt sich der Zuschauer stets dabei, in auch grausamen Szenen lachen zu müssen, da Landis seinen typisch feinen schwarzen Humor einstreut und mit den Klischees des Genres spielt. Ebenso spielt er mit den Erwartungen des Zuschauers, die er zwar erfüllt, aber nicht immer in der Form, wie der Zuschauer es kennt.

Der Film lässt auch endlich das Make-Up Design erwachsen werden. Die Effekte sind bahnbrechend! Nie zuvor hat man die Verwandlung in einen Werwolf so realistisch verfolgen können wie in der schönen neuen Effektewelt nach STAR WARS. Die Zuschauer sind begeistert und angewidert zugleich, wie sich Haut und Knochen verändern, Glieder sich verlängern und der Mensch zum Wolf mutiert, mit sich zurückbildendem Zahnfleisch und wachsendem Fell.
1982 erhält Rick Baker, der für die Masken verantwortlich zeichnet und nur aufgrund von DER WOLFSMENSCH zum Make-Up Spezialist wurde, den Oscar! Es ist der erste Oscar für das beste Make-Up, der je überreicht wurde.
John Landis wird später mit Michael Jacksons legendärem THRILLER-Video erneut ein visuell beeindruckendes Werwolfspektakel inszenieren.

Atmosphäre und Metaphorik


Im selben Jahr wie AMERICAN WEREWOLF kommt ein zweiter Werwolf-Film in die Kinos, der, wenn auch anders, das Genre ebenso befeuert: WOLFEN.
Er ist düster und dunkel, spielt in der Bronx und hievt die Metapher des Werwolfs auf eine neue Ebene: Der Werwolf-Mythos wird instrumentalisiert, um die Zerstörung letzter Lebensräume anzuprangern. Ein Wolfsrudel tötet alle Menschen, die an der Planung eines großen Neubauprojekts in der Bronx beteiligt sind, um sich ihr letztes Refugium zu erhalten.
Erst nach der Absage des Projekts können sich die Wölfe zurückziehen und Ruhe geben.
Erstmalig ist der Werwolf-Mythos nicht vordergründig ein Mittel, Unschuldige zu befallen und zu verwandeln, sondern dient den Ureinwohnern als Mittel zur Inkarnation in ein anderes Wesen, um Ungerechtigkeiten zu bekämpfen. Damit ist er auch deutlich näher an den Ursprungsmythen des Werwolfs, welche die Verwandlung als Schutzgeist verstanden.

Der Film wartet dabei mit tollen Kamerabildern von Gerry Fisher auf, unter anderem Wärmebildeinstellungen, die nachweislich den Film PREDATOR beeinflussen.
Die Spannung ist subtil und fein, die Symbolik und geschaffene Atmosphäre sind hier das Entscheidende.
Zwar floppt der Film an den Kinokassen, entwickelt sich aber im Laufe der Jahre zu einem Videogeheimtipp und findet eine große Fangemeinde.
Ein Jahr später soll auch POLTERGEIST die amerikanischen Ureinwohner zum Ursprung eines ganz anderen Horrors machen.

Märchen und Freud


1984 versucht Kultregisseur Neil Jordan mit ZEIT DER WÖLFE, den Werwolf-Mythos in das Rotkäppchengewand zu hüllen. Entstanden ist ein Feuerwerk an Effekten mit freudianischen Deutungselementen.
Quelle: DVD "Zeit der Wölfe" © Concorde Home Entertainment
Es ist auch kein Märchenfilm für Kinder, sondern eine blutige Adaption für Erwachsene.
Ein kleines Mädchen erträumt sich eine Märchenwelt, bevölkert mit Wölfen, doch gerät es, als seine Traumwelt Realität wird, in Gefahr. Es droht, ihre Unschuld an ein Untier zu verlieren.
Es geht um Emanzipation, erwachende Weiblichkeit und Selbstbestimmung im feministischen Sinne. Hier werden erstmals Frauen zum Werwolf, wird die Verwandlung aus feministischer Sicht betrachtet.

Humor und Identitätssuche


1985 kommt mit TEENWOLF ein Werwolf-Film in die Kinos, der sich der Hauptzielgruppe annimmt: den Teenagern. Damit ist er eine moderne Variante des populären I WAS A TEENAGE WEREWOLF von 1957. TEENWOLF erschafft mit dem Jungen Scott, der sich, wann immer er will, in einen Werwolf verwandeln kann, eine Identifikationsfigur für all jene Teenager, die sich als Außenseiter sehen und wünschten, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.
Scott, unauffällig und wenig beliebt bei den Mädchen, wird, indem er sich offen in einen Werwolf verwandelt und die Basketballmannschaft der Schule rettet, zum absoluten Star der Schule und bei den Mädchen.
Quelle: DVD "Teenwolf" © STUDIOCANAL
Doch wird er eben nur als Werwolf wahrgenommen und geachtet, nicht als Junge Scott. Dennoch entscheidet sich Scott gegen weitere Anbetung und will als Mensch akzeptiert werden. Zwar gewinnt er auch als Junge das wichtigste Basketballspiel der Saison, verliert aber sein Mädchen, das das Interesse an ihm verloren hat.
Der Film festigt Michael J. Foxs Status als Superstar und wird ein großartiger Erfolg an den Kinokassen.
Die Zielgruppe der Teenager sehen in Scott sich selbst. Es geht in diesem Werk erstmalig nicht ums nackte Überleben oder ums Töten, sondern um Selbstfindung und Selbstakzeptanz und um die Frage: Was macht mich zu dem, der ich bin?

Die Fortsetzung TEENWOLF 2 ist weniger erfolgreich, dafür ist die seit 2011 laufende MTV-Serie TEENWOLF erneut ein voller Erfolg, der zeigt, dass die Mischung aus Werwolf-Mythos und Teenager-Themen nichts von ihrem Charme verloren hat.

Mädchen, Pubertät und Außenseiter


Im Jahre 2000 dann kommt ein Werwolf-Film in die Kinos, der von Kritik und Zuschauern gleichermaßen gefeiert wird: GINGER SNAPS.
Der kleine, kanadische Film kombiniert viele Themen bereits erwähnter Werwolf-Klassiker auf fulminante Weise: Er ist blutig und kompromißlos, und doch ein Teenager-Drama, eine Horror-Komödie, ein Außenseiterfilm, eine Identitätsfindung, spielt aber auch mit Elementen eines Sucht-Films und der Pubertätstragödie.

Es geht um zwei Schwestern, die, nachdem sie beabsichtigt Außenseiterrollen in ihrer Highschool bekleiden, diese auf erschreckende Weise vertiefen, nachdem die eine Schwester Ginger von einem Werwolf gebissen wird und sich allmählich in ein Monster verwandelt. Kurz zuvor hat sie das erste Mal menstruiert, was die Pubertätsmetapher befeuert. Ginger wird zu einem sex- und blutrünstigen Monster. Ihre Schwester Brigitte kann nur versuchen, sie zu decken, ihr aber nicht helfen. Nur ein Pflanzensaft, der Eisenhutsaft, konzentriert und gefiltert in die Vene injiziert, kann die Verwandlung kurzzeitig aufhalten.
Der Film spielt wunderbar mit sämtlichen Elementen des Horror-Genres und greift zu einem großartigen schwarzen Humor, der die Absurdität der Situation unterstreicht, ohne den Film je lächerlich wirken zu lassen.

Mimi Rogers als verpeilte Mutter ist ebenso ein Casting-Glücksgriff wie Emily Perkins als Brigitte und Katharine Isabelle als Ginger.
Quelle: DVD "Ginger Snaps" © Concorde Home Entertainment
Der Film wird mehrfach ausgezeichnet – wieder für die Maske, ein zentrales Element des Genres – und zieht neben einer (absolut gelungen!) Fortsetzung noch ein Prequel nach sich.
Der Film ist bis heute ein Meilenstein in der Geschichte des Werwolf-Films.

Fantasy und Action


Noch einen leicht abgewandelten Kniff findet der Film UNDERWORLD 2003. Hier bietet sich nicht nur einer der wenigen Momente, in denen man Werwölfe einmal in großen Mengen bestaunen kann, sondern jegliche Form von Fluch wird aus ihrem Mythos gestrichen. Stattdessen sind sie genetische Verwandte der Vampire – was der Film zu einer Romeo und Julia Story verschmilzt.
Das allerdings, ebenfalls neu, weder als Gruselfilm noch als Drama, sondern als visuell eindrucksvolles Action-Fantasy Spektakel. Die Werwölfe beherrschen neben Komödien und Metaphern also auch den Sommerblockbuster.

Und was tut ihr?


Und nun also WHEN ANIMALS DREAM, der viel Bewährtes aufnimmt, es sich aber in typisch dänisch-schwedischer Manier zu eigen macht und neu interpretiert.

Regisseur Jonas Alexander Arnby arbeitet zunächst als Ausstatter für Lars von Triers BREAKING THE WAVES und DANCER IN THE DARK. WHEN ANIMALS DREAM ist sein erster Kinofilm als Regisseur.
Ähnlich wie in GINGER SNAPS geht es in seinem Werk um Pubertät, Identität, Isolation der Andersartigkeit, die Suche nach Verständnis und nach einer Befreiung aus der Einsamkeit. 

Der Schwerpunkt allerdings liegt vor allem in der Bestätigung für einen selbst. Steh zu dir wie du bist. Anders als in anderen Filmen stellt Marie auch keine unkontrollierbare Gefahr dar. Ganz im Gegenteil - je mehr sie sich verwandelt, desto gefährlicher wird ihre Umwelt. Hier geht es also erstmals nicht um den Schutz Unschuldiger vor dem Monster, sondern um den Schutz des Monsters.
Der Film benutzt nicht viele Worte, doch die letzten Sätze des Vaters gehen unter die Haut und berühren zutiefst. Als Marie, behaart und schon stark verwandelt, zur Arbeit gehen will, der Abneigung und offenen Furcht der Kollegen trotzen und zu sich stehen will, versucht ihr Vater sie zurückzuhalten: „Wenn du jetzt gehst, kann ich nichts mehr für dich tun.“
Unausgesprochen bleibt: Sie werden dich umbringen, weil du anders bist!
© Prokino
Als Marie ihn verlässt, um zu fliehen unterstützt er sie: „Lass dich nicht unterkriegen.“ Als wolle er sagen: Wehr dich, steh zu dem, was du bist! Aber es ist auch ein Schuldeingeständnis für den Weg, den er mit Maries Mutter gegangen ist.

Der Film wird 2014 in Cannes gefeiert und sowohl für den Preis der großen Jury vorgeschlagen, als auch für den der besten Kamera.

Wie jedem großen Werwolf-Film gelingt es WHEN ANIMALS DREAM, seine Zuschauer anzuregen, nach dem Monster in ihnen selbst zu suchen. Anders als bisherige Filme allerdings legt er den Fokus dabei weg vom Werwolf und der Frage, wie man sich als Verfluchter verhielte, und hin auf die Umgebung: Was tätet ihr, wenn euer Nachbar, euer Freund, euer Kollege, zum Tier würde?

Kommentare:

  1. sagt er tatsächlich "lass dich nicht unterkriegen!" ? ich wollt es mir merken, hab's aber doch vergessen... was sagt er im dänischen original, könnt ihr das rauskriegen?

    josh

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    1. Hallo Josh,

      vielen Dank für deine Frage! Ja, auf Deutsch sagt er tatsächlich "lass dich nicht unterkriegen", maximal mit einer kleinen Abweichung.
      Leider können wir dir nicht sagen, was er auf dänisch sagt, da wir aktuell keinen Zugang zur dänischen Sprachversion, einem Transcript oder dem Drehbuch von "Når Dyrene Drømmer" haben. Sobald wir Genaueres wissen, geben wir dir gerne noch Bescheid, freuen uns aber auch, falls du es einmal herausfindest - unser Dänisch ist bedauerlicherweise durchaus limitiert!

      Schönen Sonntag,
      Marco

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