14.03.21

Mit einer Spur von Midlife-Crisis - Duoscope feiert 7. Geburtstag

Wieder einmal hat sich die Erde um die Sonne gedreht, wieder einmal sind (sogar etwas mehr als) 365 Tage ins Jahr gegangen, wieder einmal sind wir ein Stückchen älter geworden.
Der Rückblick gestaltet sich schwierig – wenig geleistet, Corona, dazu das Gefühl, alt zu werden. Unser vielleicht wehmütigster Rückblick auf ein neues Jahr in der Bloggosphäre ...

@ Duoscope

Es ist kaum zu glauben, aber unser Blog ist vor einigen Tagen 7 Jahre alt geworden!

In Menschenjahren sind das etwa 190!

Es ist ein seltsames Gefühl – als wir 2014 anfingen, uns in der Film-Bloggerszene einzunisten, trafen wir auf Kolleginnen und Kollegen, die bereits seit zehn Jahren dabei waren, was uns damals geradezu methusalemalisch erschien. Das waren die Profis. Die alten Hasen.

Heute sind wir in gewisser Weise die alten Hasen. Und in gewisser Weise auch nicht.
Denn man muss ja ehrlich sein: Viel ist hier in den letzten drei Jahren nicht passiert. An den daran verantwortlichen Umständen hat sich wenig geändert: Noch immer studiert eine Hälfte des Duoscopes – immerhin inzwischen den Master – und arbeitet die andere Hälfte so viel, dass kaum noch Power zum Schreiben und vor allem redigieren der Artikel existiert.

Ein anderer Faktor hat sich hingegen massiv verschlimmert. Denn wenn wir vor drei Jahren noch darüber geklagt haben, dass die Filme, die wir im Kino sahen, uns einfach kaum noch gefesselt haben, und uns immer seltener die vielen, vielen Stunden wert waren, die in jeden unserer Beiträge fließen, dann hat sich das im letzten Jahr bis auf Null potenziert.
Corona macht wohl jedem Film-Blogger zu schaffen – das Angebot ist rapide gesunken und quasi komplett auf den Stream gewandert, wo es in der Masse versinkt.

Einsame Kinohighlights wie TENET werden von der Bloggosphäre aufgesogen wie Wasser in der Wüste – was hätten wir da schon beizutragen gehabt?
Ein Meisterwerk wie MA RAINEY'S BLACK BOTTOM hingegen versinkt in der Vielzahl von Netflix-Neuerscheinungen. Trotzdem war gerade MA RAINEY uns endlich mal wieder die Mühe eines Artikels wert.

Aber die Leidenschaft fürs Kino ist im Augenblick schwer aufrechtzuerhalten. Und uns scheint, dass das all unseren Kollegen so geht.

Trotzdem bleiben wir hoffnungsvoll, dass wir in diesem Jahr ein paar neue Artikel auf den Weg bringen können. Einige liegen bereits angefangen hier herum, manche weiter als andere. Wir mögen also uralt sein und in einer der tiefsten Krisen der Kinogeschichte stecken, aber wir sind gewillt, weiter zu machen.

Was noch aus einem anderen Grund immer schwieriger wird. Denn sieben Jahre sind eine laaaaange Zeit. In sieben Jahren verändert sich viel – vor allem im Internet, wo sieben Menschenjahre knapp 400 Internetjahren entspricht.

Wir haben vor zwei Jahren schon darüber geklagt, wie viele unserer Kolleginnen und Kollegen ausgestiegen sind und aufgehört haben. Wie trist das Gefühl ist, wenn all die ehemaligen Weggefährtinnen und Weggefährten, mit denen man angefangen hat, auf- oder abbrechen und andere Wege gehen.
Manche gehen aber auch nur neue Wege. Denn, so unser Eindruck: Die Ära der „Filmblogs“ senkt sich dem Ende zu. Die letzten Jahre haben einen massiven Fokuswechsel hin zum Vlog und vor allem zum Podcast bewirkt. Und warum auch nicht? Die technische Ausrüstung wird erschwinglicher, die technischen Möglichkeiten besser, die Reichweiten höher.
Gleichzeitig sinkt aber auch die Bereitschaft für einen gepflegten Longread wie wir sie in die Welt setzen.
Und das ist nun mal unser Ding. Wir sind nun mal ein Textblog durch und durch, Podcast oder Video ist nicht unser Medium. Und ja, manchmal fühlt sich das an, als würden wir einer archaischen Kunstform angehören.

Trotzdem – oder gerade deswegen – freuen wir uns über jeden, der sich noch Zeit für uns nimmt – noch mehr als ohnehin schon immer.

Und damit möchten wir die Rückbesinnung auf unsere letzten zwölf Monate beginnen.

Wir waren auf diesem Blog nicht besonders fleißig. Und trotzdem kommen immer wieder alte und neue Leserinnen und Leser vorbei und dazu. Dafür möchten wir uns bedanken!

Wir selbst haben im letzten Jahr leider nur einen neuen Blog kennengelernt: Auf „Albrechts Film Café“ plaudert der Filmemacher und Kinofreund Dennis Albrecht aus seiner langen Geschichte bei Film und Fernsehen und seinem Engagement für den Erhalt auch kleiner, traditionsreicher Kinos in Deutschland. Ein Kampf, der immer schwerer wird.

Von den Blogs, die uns schon einige Jahre begleiten, gibt es nicht allzu viele Neuigkeiten. Immerhin gibt es welche – und auch wenn einige davon erfreulich sind, sind andere eher tragischer Natur.

Beginnen wir mit den nicht so dramatischen Fällen.

Unser Kollege Ma-Go hat zwar seinen eigenen Filmblog mittlerweile eingestellt, ist aber weiterhin im Gruppenblog Klappe! Das Filmmagazin zu finden, auf dem ihr jede Menge lesenswerter, meist themenspezifischer Beiträge findet.

Das Filmforum Bremen arbeitet glücklicherweise ebenfalls weiter, und serviert euch in seiner Königs-Sparte "Das Bloggen der Anderen" wöchentlich ausgewählte Highlights der Film-Bloggosphäre (und beweist damit gleichzeitig, dass diese doch noch einiges zu bieten hat!)

Bedauerlich, aber kein Beinbruch ist der Entschluss unserer Kollegin von Adoring Audience, sich von Facebook zu verabschieden. Immerhin ist sie auf ihrem Blog glücklicherweise noch äußerst aktiv und grast immer wieder Filme oder Serien (und auch Theaterstücke!) ab, die wir gerne ebenfalls besprochen hätten – wenn wir mehr Zeit fänden.

Der nicht weniger geschätzte Kollege von Journalistenfilme.de hat uns letztes Jahr ein kleines Freudenhighlight geschenkt und den ganz großen Sprung gewagt, indem er ausgewählte Beiträge seines Blogs als Buch herausgebracht hat. Der vermutlich (zweit)beste Longread-Filmblog der Welt zum ins Buchregal stellen – das können wir jedem von euch nur anraten!


Und dann gab es noch den traurigen Fall, dass unser überaus verehrter Kollege Christian von Arthouse Cinema letzten Juni seiner Krankheit erlegen ist. Einer der nettesten und erstaunlichsten Menschen, die wir durch unsere Blogarbeit kennenlernen durften, ein früher Helfer und Förderer unseres Blogs und in vielerlei Hinsicht eine vertraute Seele. Auch wenn wir es nie geschafft haben, uns persönlich zu treffen, war Christian uns ein durch die Liebe zum Film verbundener Freund, mit dem wir auch hinter den Kulissen immer wieder regen Kontakt pflegten, und seine Stimme fehlt uns täglich. Noch immer erwischen wir uns nach einem besonders knackigen Arthouse-Streifen dabei, ihm eine Sehempfehlung schicken zu wollen – bis uns wieder einfällt, dass sie ihn nicht mehr erreichen wird.
Wir hoffen, dass er dort, wo er jetzt ist, jede neue Leinwandverkostung mit seiner ganzen Filmseele genießen kann!
Noch ist sein Blog voll lesenswerter Filmtipps abrufbar – nutzt es, wir können ihn nur voller Freude empfehlen.

Ja, auch das gehört wohl leider dazu, wenn man älter wird. Und wie schon gesagt – sieben Jahre sind eine lange Zeit.

Wir sind jedenfalls noch da. Wir sind faul, ja, wir kommen nicht in jedem Film dazu, etwas dazu zu schreiben, ja, aber: Wir sind noch da.
Und wir hoffen, dass wir dieses Jahr wieder öfter von uns hören lassen können, dass wir nächstes Jahr, zu unserem 8. Geburtstag, wieder mehr vermelden können, dass wir wieder spannende Geschichten zu erzählen haben.

Bis dahin hoffen wir, dass das Kino sich erholt, dass es wieder öffnet, dass es wieder stattfindet, und dass wir alle uns wiederfinden in der magischen Dunkelheit des Kinosaals, kurz bevor das Licht angeht und ein weiterer, zauberhafter Reigen bewegter Bilder uns berührt, uns zum Lachen oder Weinen bringt, zum Jubeln oder Fluchen, zum Lieben oder Hassen.

Bleibt gesund, bleibt uns treu, liebt die Filme.

Und wie immer: Vielen Dank für euer wertvollstes Gut: Eure Zeit!

Happy Birthday to us
Bianca & Marco


@ Duoscope

4 Kommentare:

  1. Hallo ihr Lieben,

    zunächst natürlich herzlichen Glückwunsch zum siebenten Jahrestag. Das ist in der Tat eine beachtliche Zeit.

    Gerade weil die Filmblogs immer weniger werden, lese ich eure (bedauerlicher- aber auch verständlicherweise) selten gewordene Beiträge immer sehr gern. Egal ob Nick Nolte oder Ma Rainey's Black Bottom - Man merkt einfach, wie viel Arbeit und Liebe ihr in eure Texte steckt. Weiter so.

    Eine Anmerkung:
    Ich bin mittlerweile auch nicht mehr im Klappe-Team aktiv. Die Kollegen und Kolleginnen freuen sich aber bestimmt über die Erwähnung.

    Ich hoffe ihr bleibt am Ball und freue mich auf viele interessante Beiträge von euch.

    Liebe Grüße
    Marco (ehemals Ma-Go)

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  2. O nein, das haben wir nicht mitbekommen!! :(

    Findet man dich dann aktuell gar nicht mehr?
    Aber in jedem Fall vielen lieben Dank für die Glückwünsche und netten Worte. Wir versprechen auch, dass wir den Vorsatz haben, dieses Jahr wieder mehr zu schaffen!! :)

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    1. Genau. Was das Scheiben angeht, bin ich quasi im unverdienten Ruhestand. Aber als Leser bin ich ach wie vor relativ aktiv. Insofern werdet ihr mich nicht los.
      LG, Marco

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  3. Das freut uns! :)
    Nichts desto trotz ein echter Verlust für alle Mitlesenden!! :/

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