28.10.14

Porträt: Edith Head – Die Erfinderin der Stilikonen

„Hollywood“ bedeutet für viele Menschen Glamour, Glitzer, Eitelkeiten. Wie bei jedem guten Eisberg finden dabei die meisten Prozesse hinter den Kulissen statt – und sind nur indirekt auf der Leinwand zu sehen.
Einer der größten Stars den Hollywood hinter den Kulissen jemals hervorgebracht hat, ist die Kostümdesignerin Edith Head.
Sie wird tonangebend für eine der goldenen Zeiten Hollywoods. Denn dass Leinwandgöttinnen wie Grace Kelly, Elizabeth Taylor oder Audrey Hepburn mit ihrer Weiblichkeit und Eleganz die Welt verzaubern, liegt auch an den edlen Roben und nahezu magischen Kleidern, mit denen Edith Head sie vor die Kamera schickt.
Über 1100 Filme stattet Edith Head schließlich aus. Der Lohn: Neben ihrer Dauerpräsenz in sämtlichen Modemagazinen und den Millionen junger Frauen, die ihre Entwürfe bewundern, erhält sie 35 Oscarnominierungen und nimmt die Trophäe acht Mal mit nach Hause.
Niemand ließ Hollywood besser aussehen als Edith Head. Hier glänzt Audrey Hepburn in EIN HERZ UND EINE KRONE.
Quelle: DVD "Ein Herz und eine Krone" ©
Paramount Home Entertainment
Biancas Blick:

Edith Head, deren Markenzeichen ihre Ponyfrisur und kräftige Brille werden, gilt noch heute als eine der größten und einflussreichsten Figuren Hollywoods. Nicht nur für ihren Oscarreigen, der noch heute einen Rekord stellt (keine Frau gewann bisher mehr Oscars. Die beiden einzigen Männer, die sie übertrumpfen sind Visual Effects Legende Dennis Muren mit 9 Statuetten und Walt Disney – mit 22 Stück!). Sondern auch, weil erst seit Edith Head die Kostümabteilung im Film vornehmlich Frauensache ist. Vorher hatten auch hier Männer das Sagen.
Vor allem aber gab Edith Head über Jahrzehnte hinweg den Ton in Hollywood an. In einer Zeit, in der Schönheit und Glanz ausschlaggebend in Filmproduktionen waren, arbeitete sich Edith Head an die Spitze ihrer Berufssparte. Keine Produktion kam an der kleinen, quirligen und energischen Geschäftsfrau vorbei.

Vom Finden der wahren Berufung


Dabei hat Edith Head nach ihrer Geburt am 28. Oktober 1897 in Los Angeles erstmal lange nichts mit Kostümen am Hut. Lieber studiert sie Französisch und Kunst an der University of California.
In den 20er Jahren unterrichtet sie zunächst Französisch und Kunst an der Hollywood School for Girls.
Kaum ein Film wird noch heute so für seine Stilsicherheit geliebt wie FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY. Holly Golightly dient noch nach über fünfzig Jahren ganzen Generationen von Frauen als stilvolles Vorbild.
Quelle: DVD "Frühstück bei Tiffany" ©
Paramount Home Entertainment
Schließlich bemerkt sie aber, dass es sie zum Film zieht, dieser noch jungen, aufstrebenden Unterhaltungskunst.
Wie so viele kreative und abenteuerlustige Seelen der damaligen Zeit kommt sie zum Film wie die Jungfrau zum Kind. 1923 versucht sie sich sogar kurzzeitig als Schauspielerin, merkt jedoch schnell, dass ihr das nicht liegt. Privat schneidert hingegen gern und entschließt sich, Kostümdesignerin zu werden. Ihre ersten Entwürfe imponieren dem damaligen Kostümdesigner bei Paramount, Howard Greer, der sie unter seine Fittiche nimmt.
1930 wird sie die Assistentin von Travis Banton, der Marlene Dietrich ausstattet. Edith Head nutzt die Chance und ihren ersten Kontakt zu einer Diva. Sie schaut, schneidert und lernt. Sie hat ihre Berufung gefunden.

Subtile Textilkunst


Das Kostümbild ist eine eher unbekannte Kunst des Films, heute so wie damals.
Die Wahl des Kostüms erfolgt nach langen Recherchen: Was tragen die Figuren in der Zeit, zu der der Film spielt? Und in den Situationen, in denen er spielt? Welche „Hindernisse“ erwartet das Kostüm am Set oder an bestimmten Schauspielern?
Nach der Lektüre des Drehbuchs erfolgt eine intensive Recherche und mehrmalige Rücksprache mit dem Regisseur über die ersten Entwürfe.
Was zu Edith Heads Zeit besonders bedeutsam ist: Wird der Film in Farbe oder Schwarzweiß gedreht? Gerade hier kann Head ihre Stärken ausspielen. Während viele Kostümdesigner sich auf eine Filmrichtung festlegen müssen ist Edith Head eine der Kostümausstatterinnen, die in beiden Sparten treffsicher arbeitet und Oscars einsackt.
Denn während im Farbfilm die Farben abgestimmt sein müssen, geht es im Schwarzweißfilm um Schattierungen. Dafür muss man wissen, welche Farben sich in Schwarzweiß wie zueinander verhalten und miteinander wirken. Eine komplexe Wissenschaft.
So trägt Bette Davis 1938 in JEZEBEL ein knallrotes Ballkleid. Noch Jahre später erinnern sich unzählige Zuschauer an das pralle, satte Rot dieses Kleides. Dabei wurde der Film nie in Farbe gedreht. Ein Glanzstück an Subtilität des Kostümdesigners Orry-Kelly, der den Film austattet. Ein dunkelrotes Kleid in einem Farbfilm hätte vermutlich nicht diese Wirkung beim Zuschauer erzielt.
Grace Kellys goldenes Kleid in ÜBER DEN DÄCHERN VON NIZZA gilt als Meisterwerk der edlen Roben und startet seinerzeit einen echten Trend. Noch heute verzaubert es Grace Kelly Fans.
Quelle: Blu Ray "Über den Dächern von Nizza" ©
Paramount Home Entertainment
Ein mindestens ebenso wichtiger Punkt für Kostümdesigner: Ein Kostüm darf nie „niegelnagelneu“ aussehen. Kleidung sind Gebrauchsgegenstände.

So braucht es 1939 ganze 27 unterschiedliche Ausführungen des Kattun-Kleides von Scarlett O’Hara, als diese durch das brennende Atlanta läuft, da die unterschiedlichen Abnutzungserscheinungen in unterschiedlichen Beleuchtungen in Szene gesetzt werden müssen. Kostümdesigner Walter Plunkett liefert hier beste Arbeit. Zudem müssen für VOM WINDE VERWEHT Hunderte teurer Ballkleider hergestellt werden, die alle die Charaktere unterstreichen und herausformen sollen.
Selbst Filme wie STIRB LANGSAM leben von ihrem Kostümdesign – Bruce Willis‘ Unterhemd gerät zum heimlichen Star des Films, wird es doch mit nahezu jeder Szene schmutziger und zerrissener, bis es sich von reinem blütenweiß (auch weiße Kleidung muss vor Dreharbeiten mit Tee durchgespült werden, da auf der Leinwand sonst nur ein grellweißer Fleck ohne Konturen zu sehen wäre) zu einem schmuddeligen Army-Grün verfärbt. Solche Kostümänderungen verlangen viel Aufmerksamkeit, damit in jeder Szene stets der richtige Grad an Veränderung ausgewählt wird. Sonst kann es schnell zu einem der beliebten „Filmfehler“ kommen, in denen die Anschlüsse nicht stimmen.

Bedeutend ist auch, wie weit das Kostüm Figuren und selbst Situationen beeinflusst. Der Spruch „Kleider machen Leute“ kommt nicht von ungefähr, und die meisten guten Filme zeichnen sich dadurch aus, dass die Charaktere stets die passende Kleidung zum Charakter aber auch zur Situation tragen, in der sie sich befinden. Das erfordert viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen des Kostümdesigners – wird hier keine saubere Arbeit geleistet, kann das oft zur Folge haben, dass ein Film oder eine Szene sich trotz gutem Spiel und gutem Drehbuch nicht glaubwürdig anfühlt und die Zuschauer dadurch kalt lässt.
Einer von Edith Heads berühmtesten Entwürfen: Audrey Hepburns schwarzes Kleid aus SABRINA.
Quelle: DVD "Sabrina" © Paramount Home Entertainment
Edith Head betont oft, wie hart in ihrem Beruf gearbeitet wird, wieviele Hände und Stunden und Berater nötig sind, um einen Film gut zu kostümieren.  Damit trägt sie auch dazu bei, der Arbeit der Kostümdesigner mehr Würdigung zukommen zu lassen.
Seit 1948 erhält das Kostüm daher seinen eigenen Oscar. Zuvor wurde die Leistung der Kostümabteilung unter „Ausstattung“ mitbewertet.

Wie bei vielen anderen Kategorien wird der Oscar zunächst noch in zwei Sparten vergeben: in Schwarzweiß und in Farbfotografie – was dazu führt, dass Edith Head 1951 zwei Oscars gewinnt: einen für den Farbfilm SAMSON UND DELILAH und einen im Schwarzweißfilm ALLES ÜBER EVA.
Erst als der Schwarzweißfilm mehr und mehr zur Nische wird, hebt sich diese Trennung auf.

Erste Versuche


Ende der 30er Jahre steigt Edith Head in Paramounts Kostümabteilung zur Chefdesignerin auf. Etwas, das vor ihr noch keine Frau geschafft hat! Später wird die Kostümabteilung der Paramount sogar nach ihr benannt!
Noch immer ist sie aber zehn Jahre davon entfernt, den Durchbruch zu schaffen und ihren Namen als Synonym für edles Kostümdesign lesen zu können.

Ihr erster eigener Entwurf wird 1936 das Kostüm für Dorothy Lamour im Abenteuerfilm DSCHUNGELPRINZESSIN.

Der erste bedeutsame Film, in dem sie die Hauptdarstellerin ausstattet, kommt 1944 mit Billy Wilders Thriller FRAU OHNE GEWISSEN. Barbara Stanwyck, seinerzeit einer der Topstars der Paramount, spielt in dieser Genreperle des Film Noir eine eiskalte Mörderin. Es ist der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit. Stanwyck wird noch oft von Head ausgestattet.
Barbara Stanwyck in FRAU OHNE GEWISSEN: Der Prototyp der kühl-eleganten Femme Fatale, den Edith Head hier (sogar mit Karos!) kreiert, wird später zum Klischee des Genres.
Quelle: DVD "Frau ohne Gewissen" © Universum Film

 

Wenn der Oscar mehrmals klingelt


1948 endlich erhält Edith Head ihre erste Oscarnominierung für das Kostümdesign mit dem sie Joan Fontaine in ICH KÜSSE IHRE HAND, MADAME schmückt. Zwar geht sie bei diesem ersten Oscarauftritt ihrer Abteilung noch leer aus, rückt ihren Namen aber bereits in den Vordergrund!

Es folgen die Klassiker DAS VERLORENE WOCHENENDE, BERÜCHTIGT, DIE GLOCKEN VON ST. MARIEN (Ingrid Bergmann spielt in diesem Schmachtfetzen eine Nonne) und DIE BLAUE DAHLIE.
Head ist beschäftigt wie selten zuvor und ihr Stern beginnt zu steigen. Für bis zu zehn Filme pro Jahr entwirft sie die Kostüme.

Ein Jahr später, 1949, erhält sie ihren ersten Oscar für Olivia de Havillands Kostüm in DIE ERBIN mit Montgomery Clift, der sich missmutig an De Havillands „bebenden Busen“ erinnert – sicherlich ein Werk Edith Heads, die bekannt dafür ist, weibliche Rundungen geschickt einzukleiden und in Szene zu setzen.
Es gibt kaum einen Klassiker der Goldenen Ära Hollywoods, den Edith Head nicht kostümiert hat: ALLES ÜBER EVA, BOULEVARD DER DÄMMERUNG oder EIN PLATZ AN DER SONNE.
Für diesen erhält sie nicht nur ihren vierten Oscar (in Folge!), sondern sorgt auch erstmals außerhalb der Leinwand für eine Sensation. Das weiße trägerlose Ballkleid, mit dem sie Elizabeth Taylor wie eine Elfe dahinschweben lässt, wird zur Sensation des Films! Dutzende Modeshootings Taylors in dem Dress schmücken die Magazine. Teenager und junge Frauen sind so begeistert von dem Kleid, dass es eilig nachgeschneidert und in den Verkauf gegeben wird. Es ist innerhalb kürzester Zeit ausverkauft und wird eine Dekade lang das Vorbild für Abschlussball- und Hochzeitskleider sein! Edith Heads Kunst ist endgültig im amerikanischen Alltag angekommen.
Das Kleid, das die Frauen verzaubert. Mit ihrem Ballkleid aus EIN PLATZ AN DER SONNE legt Edith Head erstmals einen Bestseller außerhalb der Leinwand hin. Eine frühe Form des Merchandisings: So wie ihre Kleider die Stars gut aussehen lassen, lassen die Stars ihre Entwürfe gut aussehen.
Quelle: DVD "Ein Platz an der Sonne" © 1951 Paramount Pictures
Eine weitere fruchtbare Zusammenarbeit beginnt sie 1953 mit Audrey Hepburn, als sie deren ersten großen Hollywoodfilm EIN HERZ UND EINE KRONE kostümiert. Die Anproben werden zu einer nervlichen Zerreißprobe für Edith Head: Hepburn ist eine sehr zarte Schauspielerin, die beim Tragen des opulenten Ballkleides stets Bedenken hat, ihre unbekleideten Arme könnten zu dürr wirken. Edith Head, die wie alle guten Kostümdesigner auch gute Psychologin und Überredungskünstlerin ist, braucht viel gutes Zureden, bis Hepburn überzeugt ist, auch in einem ärmellosen Kleid perfekt ins Szene gesetzt zu sein.
Edith Heads sensible Überzeungsarbeit (und ihre Designs) bringen ihr einen weiteren Oscar ein. Glücklicherweise sind einige von Edith Heads Gedanken zu diesen Arbeiten durch ein Interview erhalten:

Für die Kostüme des Billy Wilder Klassikers SABRINA, ebenfalls mit Audrey Hepburn, erntet Edith Head ihren vorerst letzten Oscar – immerhin ihren sechsten in ebensovielen Jahren.
Vor allem aber macht sie sich unsterblich. Die vor allem in den Kostümen stattfindende Verwandlung der kleinen Chauffeurstochter Sabrina in eine mondäne Dame aus Paris ist in die visuelle Filmgeschichte eingegangen.

Auch in Farbe ein Augenschmaus!


Zu dieser Zeit beginnen mehr und mehr colorierte Filme Einzug auf die Leinwand zu halten. Und mit ihnen einige Probleme für die Kostümdesigner.
Zwar sind die Farben nun real zu erkennen, statt nur in Schwarzweiß zu erahnen, doch durch unterschiedliches Filmmaterial und Belichtungszeiten werden die Farben niemals ganz realistisch oder farbecht auf die Leinwand gebannt, was die Kostümabteilung mit einkalkulieren muss.
Außerdem können Farben flackern, zu grell sein oder auch farblos wirken. Da nun auch der Hintergrund farbig ist, muss das Kostüm sich darüber hinaus mit dem Setdesign absprechen und darauf achten, dass sich das Kostüm gut vom Hintergrund abhebt, und sich die Farben nicht „beißen“ oder „aufheben“.

Das wird besonders bei einer von Edith Heads letzten großen Kooperationen wichtig: in ihrer Zusammenarbeit mit Alfred Hitchcock. Der von der Psychologie begeisterte Regisseur setzt nahezu jede Farbe gezielt und mit einer besonderen Bedeutung und Aussagekraft ein. Seit Anfang der 50er Jahre stattet Edith Head fast jeden Film des komplizierten Engländers aus: DAS FENSTER ZUM HOF, IMMER ÄRGER MIT HARRY, ÜBER DEN DÄCHERN VON NIZZA, VERTIGO, DIE VÖGEL, MARNIE, FAMILIENGRAB.
Die gemeinsame Arbeit der beiden geht soweit, dass Edith Head schließlich nach 43 Jahren die Paramount verlässt und für Hitchcock zur Universal wechselt.

Ja, ich will nicht


In diesem Zusammenhang arbeitet Head auch immer wieder mit Grace Kelly zusammen, mit der sie eine tiefe Freundschaft verbindet. Auf die Frage, wen sie am liebsten eingekleidet habe, sagt Head: „Grace Kelly. Sie war der Inbegriff der Eleganz. Schön, charmant und zuvorkommend.“
Grace Kelly im edlen Schwarzen. Niemanden hat Edith Head lieber eingekleidet als die große Blonde mit der besonderen Ausstrahlung. Genau diese wusste Edith Head immer perfekt zu akzentuieren.
Quelle: Blu Ray "Das Fenster zum Hof" © Universal Pictures
Das Einkleiden von Kim Novak in VERTIGO gerät hingegen erneut zur Zerreißprobe. Novak ist durch Hitchcocks Ablehnung ihr gegenüber zutiefst verunsichert und traut den Kostümentwürfen nicht. Mit Engelszungen (und sicherlich einer Menge Erfahrung) kann Edith Head auch hier wieder den Star überzeugen. Im Nachhinein gibt Head aber zu, dass ihr dieser Film all ihr psychologisches Wissen abgefordert habe.

Aber auch Edith Head weiß, was sie will und lässt sich nicht immer überreden.
So erhält sie 1947 das Angebot, Ingrid Bergman in JOHANNA VON ORLEANS einzukleiden. Edith Head ist misstrauisch: „Aber die kämpft doch nur in Hemd und Rüstung!“ Sie nimmt das Angebot nicht an. Die Kostümdesigner Dorothy Jeakins und Barbara Karinska allerdings holen sich für das Historiendrama den Oscar ab.

Edith Head bleibt sich treu. Nur selten arbeitet sie für (die heute so populären) Kostümfilme.  Sie kleidet lieber moderne Frauen ein, Frauen von „Heute“. Und stets gelingt es ihr, ihre Darsteller, vor allem die weiblichen, gut dastehen zu lassen. Ihre Entwürfe kaschieren kleine „Problemzonen“ und heben die Stärken hervor.
Rüstungen und Kutten sind nichts für Edith Head. Vielleicht ist es dennoch als kleines Zeichen der Reue zu werten, dass sie Ingrid Bergman später ausgerechnet als Nonne(!) in DIE GLOCKEN VON ST. MARIEN einkleidet.

Stil und Veränderungen


Mit Edith Head beginnt auch der heute noch lebendige Usus, dass Kostümdesigner Schauspielerinnen für private und öffentliche Veranstaltungen ausstatten. So entwirft sie für Grace Kelly ein Seidenkleid, das diese bei der Oscarverleihung 1954 trägt, als sie sich den Oscar für DAS MÄDCHEN VOM LANDE abholt.
SABRINA ist einer der stilvollsten Filme seiner Zeit und gibt über Jahre hinweg den Ton an, wie moderne, gutaussehende Frauen mit Pariser Touch auszusehen haben.
Quelle: DVD "Sabrina" ©
Paramount Home Entertainment
Edith Heads Einfluss auf ihre Zeit ist kaum genug zu würdigen. Sie stattet Filmklassiker wie SAMSON UND DELILAH, EIN SÜßER FRATZ, FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY, SO EINE AFFÄRE , BARFUß IM PARK, DER CLOU (für den sie ihren letzten Oscar erhält) und DIE GEIER WARTEN SCHON aus.
Ihre Kostüme für Stars wie Elizabeth Taylor, Tippi Hedren, Grace Kelly oder Audrey Hepburn erschaffen nicht nur deren Status als Stilikonen, sondern werden zur stilprägenden Mode für die moderne Frau.

Die Begeisterung der Zuschauer für Edith Heads Kostüme nehmen in EIN PLATZ AN DER SONNE zwar ihren Anfang, wiederholen sich aber noch häufig. Die Kinobesucherinnen und Leserinnen der Modemagazine wollen sich fühlen wie die Stars und deren Kleider haben. Alle und sofort.
Edith Head erschafft nahezu im Alleingang den Modestil der 40er und 50er Jahre.
Nach ihrem Wechsel zur Universal bleibt sie dort, bis sie 1981 vier Tage vor ihrem 84. Geburtstag an einer Knochenmarkserkrankung stirbt.
DER CLOU bringt Edith Head 1973 ihren letzten Oscar ein. Da ist sie 76 und seit über fünfzig Jahren im Geschäft. In dem stilvollen Trickbetrüger-Film stellt sie ausnahmsweise mal gutaussehende Kerle in den Mittelpunkt.
Quelle: DVD "Der Clou" © Universal Pictures
Vielleicht als Zeichen der feinen Ironie ist ihr letzter Film die Steve Martin Komödie TOTE TRAGEN KEINE KAROS, eine zutiefst liebevolle und sich verneigende Parodie auf die Goldene Ära Hollywoods und den Film Noir, in dem viele Originalszenen der größten Klassiker eingesetzt werden – und dadurch viele von Edith Heads früheren Entwürfen zeigen. Die End-Credits zollen den größten Filmen und Stars dieser Zeit noch einmal Tribut und enden mit einer speziellen Widmung: „Tote tragen keine Karos war Edith Heads letzter Film. Ihr, und all den anderen brillanten Handwerkern und Kreativen Köpfen, die an den Filmen der 1940er und 1950er gearbeitet haben, ist dieser Film mit großer Zuneigung gewidmet.“

Bis heute bleibt Edith Head eine der bekanntesten und beliebtesten Größen Hollywoods, besonders in Amerika wird sie verehrt wie kaum eine andere. So gibt es das Theaterstück A Conversation With Edith Head, das ihre Karriere humorvoll nachzeichnet. Und noch immer finden sich von Zeit zu Zeit liebevolle Anspielungen auf die kleine große Frau des Films. Vermutlich eine der berühmtesten ist die Schneiderin Edna Mode aus dem Pixarfilm DIE UNGLAUBLICHEN, mit der Brad Bird der Grand Dame des Kostümdesigns ein Denkmal setzt.
No Capes! Edna Mode weiß, was Superhelden im Kampf brauchen - und wie sie dabei chic aussehen! Brad Bird zollt mit seiner resoluten Schneiderin der großen Edith Head Respekt - leicht zu erkennen an Frisur und Brille!
Quelle: Blu Ray "Die Unglaublichen" © Walt Disney Studios Home Entertainment

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