18.12.14

Hollywoods Königsjahr - Die Kultfilme von 1984

1984 stehen die Achtziger in vollen Neon-Flammen!
Nirgendwo findet sich der Zeitgeist dieses Jahres besser konserviert als in seinen Filmen – Musik, Tanz, Effektspektakel und Erotikthriller beherrschen Hollywood.
Am Ende wird es das vermutlich beste Filmjahr der Traumfabrik werden! Heute kaum noch vorstellbar: Nur ein einziger(!) Top Film ist eine Fortsetzung. Im Gegenzug laufen wenigstens 10 Filme an, die sich zum Franchise entwickeln, von denen mindestens neun noch heute als absolute Klassiker der Filmgeschichte zählen.
Wir blicken dreißig Jahre zurück, und widmen uns all den großartigen Werken, die 1984 uns im Kino geschenkt hat. Viel Vergnügen auf der Reise!
Collage erstellt von Duoscope - der etwas andere Filmblog

Die Perlen von 1984


Bevor wir uns den Top-Krachern widmen, möchten wir wenigstens kurz innehalten und auf die Filme schauen, die 1984 zwar kleiner, aber auf ihre Art besonders waren.

1984

Natürlich lässt es sich das Kino nicht nehmen, George Orwells 1949 erschienenen Roman über eine diktatorische Dystopie in genau dem Jahr herauszubringen, in dem die Geschichte spielt.
Natürlich darf 1984 eine Verfilmung von George Orwells berühmtem Roman nicht fehlen! Das Drama ist eindringlich und lässt die Zuschauer erleichtert zurück, dass es noch nicht soweit gekommen ist.
Quelle: DVD "1984" © 20th Century Fox
Orwells „1984“ galt lange, und gilt heute wieder, als Schablone für eine Zukunft, die irgendwann kommen mag. 1984 ist man vor allem froh, dass es (noch) nicht soweit ist, und genießt die weiterhin in weiter Ferne liegende düstere Herrschaft des Großen Bruders.  John Hurt liefert eine eindringliche und Darstellung des kleinen Mannes unter den wachsamen Augen des Großen Bruders!

ES WAR EINMAL IN AMERIKA

Schon in den Sechzigern träumt Sergio Leone davon, ein Mafiaepos in New York zu erzählen. Eigentlich will er den Film schon nach seiner DOLLAR-Trilogie realisieren, doch die Amerikaner trauen ihm das nicht zu. So startet er 1968 mit SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD seine AMERIKA-Trilogie. Der zweite Teil, TODESMELODIE, beschäftigt sich mit dem mexikanischen Bürgerkrieg. Erst 1984, als das Gangstergenre auf seinen Höhepunkt zusteuert, kann er seinen Traum verwirklichen.
Die Starbesetzung rund um Robert DeNiro, Joe Pesci, James Woods, William Forsythe, Danny Aiello und der damals noch unbekannten Jennifer Connelly in ihrer ersten Rolle liefert eines der eindringlichsten Gangsterdramen aller Zeiten ab. In gewohnt Leonescher Erzählruhe bietet ES WAR EINMAL IN AMERIKA den besten Beitrag zum Gangsterkinos der Achtziger und Neunziger neben Martin Scorseses Meisterwerken GOODFELLAS und CASINO.
Es wird Leones letzter Film. Fünf Jahre später stirbt der Kultregisseur.

DER WÜSTENPLANET

Filmproduzent Dino De Laurentiis war niemals um große Themen verlegen und bringt als Erster seine Version des als unverfilmbar geltenden Kultromans von Frank Herbert auf die Leinwand. Regie führt ausgerechnet David Lynch, der zuvor mit zwei Filmen das surreale Kino neu erfunden hat. Die Wahl des Regisseurs und massive Kürzungen am Buch machen den Film unverständlich und bleischwer – da hilft auch keine Starbesetzung mit José Ferrer, Jürgen Prochnow und dem Erfolgssänger Sting! Der Film scheitert auch an den hohen Erwartungen der Fans und wird zu Lynchs schlechtestem Film. Immerhin liefert Kyle MacLachlan hier seine erste Arbeit als Schauspieler ab.

THIS IS SPINAL TAP

Einer der größten Musik-Kultfilme unserer Zeit kommt 1984 mit THIS IS SPINAL TAP in die Kinos. Die Mockumentary begleitet eine (fiktive) Band namens Spinal Tap auf Tour. Das Regiedebüt von Rob Reiner begeistert anfangs wenig, wird aber auf Video zum Kulthit von Musikfans auf aller Welt und dient bis heute als Vorbild aller anderen Mockumentarys bis hin zu aktuellen Filmen wie FRAKTUS.
Der pseudo-Konzertfilm THIS IS SPINAL TAP ist seiner Zeit weit voraus und doch voll am Puls der Achtziger! Die Komödie macht sich herrlich über die Musik und Rockbands seiner Zeit lustig und wird auf Video zum Kultfilm. Für uns eine glatte 11!
Quelle: Blu Ray "this is Spinal Tap - 25th Anniversary Edition" © STUDIOCANAL
Darüber hinaus bricht der Film locker mit dem Dezimalsystem: Ein Running Gag des Films besagt, dass ein Gitarrenverstärker, der bis 11 statt zehn reicht, um eins lauter sei als normal. In Anlehnung an diesen mittlerweile klassischen Gag erhält der Film eine Sonderstellung in der IMDB: Es ist der einzige Film im gesamten Archiv, bei dem die Bewertungsskala statt bis 10 – bis 11 reicht!

PURPLE RAIN

Wie kaum ein anderer Film atmet PURPLE RAIN den Soul-Geist der Achtziger. Der Film als solches ist unscheinbar und wenig herausragend, als Vehikel für den damaligen Superstar Prince allerdings ein Meisterwerk. Während Madonna immer wieder vergeblich versucht, sich als ernsthafte Schauspielerin zu etablieren, und Michael Jackson erst 1990 mit MOONWALKER eine unverschämt unverblümte Musikvideo-Clipshow auf die Leinwand wirft, versucht sich Prince an einem gelungenen Mittelweg zwischen Drama und Musikfilm.
Heutzutage nur noch schwer nachzuvollziehen, aber damals ein sagenhaft stylisher Erfolgshit. Wer wissen will, wie sich die Achtziger angefühlt haben, sollte PURPLE RAIN anschmeißen!

STAR TREK III – AUF DER SUCHE NACH MR. SPOCK

Ja, auch schlechte Filme fanden 1984 enorme Aufmerksamkeit!
Nachdem STAR TREK II – DER ZORN DES KHAN mit allen Regeln brach und eine Hauptfigur aus der Serienwelt sterben ließ, wird Teil 3 zum meisterwartesten Sci-Fi Film des Jahres. (Wer sich heute über die Tode wichtiger Figuren in GAME OF THRONES oder THE WALKING DEAD moniert, versuche sich vorzustellen, welche Auswirkungen es 1982(!) hat, als die populärste Figur der populärsten Sci-Fi Serie der Welt stirbt! Nicht zuletzt dieser emotionale Schock sorgt dafür, dass Star Trek II bis heute der beliebteste Teil vieler Trekkies ist.)
Der erste Star Trek ohne Spock startet mit einer extralangen Pause in den Opening Credits zwischen William Shatner und DeForest Kelley, dort, wo Leonard Nimoys Name gestanden hätte. Der Streifen wird dafür Nimoys Regiedebüt. Auch wenn der Film selbst als missglückt betrachtet wird – wenigstens haben die Fans ihr Spitzohr zurück!

DIE FRAU IN ROT

Was 1992 BASIC INSTINCT war, ist 1984 noch DIE FRAU IN ROT!
Der Film ist eine durchschnittliche Achtzigerkomödie ohne herausstechendes Merkmal, mit einer Ausnahme: Kelly LeBrock! Das ehemalige Model liefert hier ihren ersten Kinoauftritt ab und wird augenblicklich zum weltweiten Sexsymbol und einer der begehrtesten Frauen der Welt!
Dieses Image darf sie ein Jahr später in L.I.S.A. – DER HELLE WAHNSINN (englisch: WEIRD SCIENCE) noch einmal aufnehmen, bevor sie erst einmal wieder von der Bildfläche verschwindet. Späteren Ruhm erhält sie vor allem als Ehefrau von Steven Seagal.
1984 ist auch das Jahr der Kino-Erotik! Neben Kelly LeBrock trumpfen auch Melanie Griffith oder Rachel Ward und Daryl Hannah auf. Vor allem Kathleen Turner (hier in AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN) gilt seit ihrem Auftritt in HEIßBLÜTIG - KALTBLÜTIG 1983 als Sexsymbol und kokettiert mit dem Image.
Quelle: DVD "Auf der Jagd nach dem grünen Diamanten" © 20th Century Fox

SPLASH – JUNGFRAU AM HAKEN

Eine weitere eher harmlose, aber enorm erfolgreiche Achtzigerkomödie, die aus heutiger Sicht vor allem deshalb interessiert, weil sie die erste Hauptrolle für Tom Hanks bringt!
Der wird nämlich zunächst als Komiker erfolgreich und begeistert mit Filmen wie SPLASH, BIG, GESCHENKT IST NOCH ZU TEUER oder MEINE TEUFLISCHEN NACHBARN, bevor ihm 1993 nach einigen vergeblichen Anläufen mit PHILADELPHIA der Wechsel ins dramatische Fach gelingt. 

Derweil in Deutschland


Auch nach Deutschland wollen wir einen kurzen Blick werfen. Denn während im Fernsehen RONNYS POPSHOW, BERLINER WEIßE MIT SCHUSS, PATRIK PACARD, DIESE DROMBUSCHS und DIE SCHWARZWALDKLINIK Erfolge feiern, wird im Kino die Fantasy bejubelt!

DIE UNENDLICHE GESCHICHTE

Bastian Balthasar Bux' Ausflug nach Phantasien ist vermutlich einer der erfolgreichsten Deutschen Filme seiner Zeit und 1984 für seine Spezialeffekte gefeiert wie sonst nur Gollum aus HERR DER RINGE!
DIE UNENDLICHE GESCHICHTE ist einer der ersten Blockbustererfolge Bernd Eichingers, der wie kein anderer Produzent Deutschland aud die internationale Filmlandkarte zurückhievt.
Er legt den Rohschnitt sogar Steven Spielberg vor, der ihm mit einigen Ratschlägen hilft und den Rythmus des Films nachbessert. Der Autor der Vorlage, Michael Ende, ist am Ende allerdings entsetzt über die Verfilmung und will nicht in Bezug zu ihr gesetzt werden.

RONJA RÄUBERTOCHTER

Zwar kein deutscher Film, aber einer der erfolgreichsten Filme in Deutschland – allerdings erst 1986. Solange dauerte es, bis der Film von 1984 bei uns in die Kinos kommt. Astrid Lindgrens Märchen über zwei rivalisierende Räuberbanden, über Druden, Dunkeltrolle und Rumpelwichte verzaubert eine ganze Generation von Kindern! Noch heute ist der Film bei Groß und Klein äußerst populär.
Hauptdarstellerin Hanna Zetterberg, damals elf Jahre alt, dreht übrigens nie wieder einen Film. 1994 wird sie ins schwedische Parlament gewählt, verlässt es aber vier Jahre später wieder um ihr Studium der Wirtschaftsgeschichte fortzuführen. Mittlerweile verbringt sie ihr Leben außerhalb der Öffentlichkeit.
Die Welt in Flieder getunkt! Prince ist Mitte der Achtziger Michael Jacksons schärfster Konkurrent im Musikgeschäft und der erfolgreichste Soul-Künstler seiner Zeit. Sein Film PURPLE RAIN ist zwar weder gut gespielt noch inhaltlich besonders herausfordernd, aber ein Fan-Vehikel wie es kein anderes in jener Zeit gibt.
Quelle: DVD "Purple Rain" © Warner Home Entertainment

DAS ARCHE NOAH PRINZIP

1984 kommt Roland Emmerichs Abschlussfilm von der Münchner Filmhochschule ins Kino. Emmerich sagt einmal: Wenn er ins Kino gehe, erwarte er, dass die Leinwand bebe! Das sieht man seinen Filmen an: Emmerich liebt das Spektakel und die Fantasy. All das ist bereits in DAS ARCHE NOAH PRINZIP erkennbar:  Mit Richy Müller in der Hauptrolle handelt der Film von einer Raumstation, die zum Spielball internationaler Gruppierungen und zum Werkzeug des Weltunterganges wird.
Kaum eine deutsche Karriere ist von Beginn an so sehr auf Science-Fiction und Hollywood-Blockbuster ausgelegt wie Emmerichs, und den Grundstein legt er erfolgreich mit DAS ARCHE NOAH PRINZIP. 

Die Monster des Jahres


Womit wir zu den Klassikern des Jahres 1984 kommen! Was war also los, an der Hollywoodspitze 1984? Wie nicht anders zu erwarten: Monster, Geister, Roboter, Polizisten, Tänzer und ein kleiner, weiser Japaner! Los geht’s!

INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES

Wir beginnen den Reigen mit der einzigen großen Fortsetzung des Jahres 1984.
Nachdem Indy im ersten Teil die Welt nach der Bundeslade umgepflügt hat, verschlägt es ihn hier nach Indien. Für Zuschauer etwas verwirrend vor dem ersten Teil angesiedelt, wird der Film zum Inbegriff des Achterbahnkinos – buchstäblich! Die Sequenz, in der Indy sich mit den Schergen eine Verfolgungsjagd in alten Minenloren leistet, gehört zum abenteuerlichsten, was das Actionkino bis dahin hervorgebracht hat, und dient noch heute als Abziehbild für ähnliche Sequenzen.
INDIANA JONES UND DER TEMPEL DES TODES hebt das Achterbahn-Blockbuster Kino in nie erreichte Höhen. Einzig die nicht-digitale Tricktechnik verrät heute sein Alter. 1984 sind die Freunde des unterhaltsamen Abenteuerkinos atemlos und restlos begeistert.
Quelle: Blu Ray "Indiana Jones und der Tempel des Todes" © Paramount Pictures
Auch sonst glänzt „THE TEMPLE OF DOOM“ nicht gerade mit leisen Tönen. Sequenzen wie die Krabbelviecher in der Todesfalle, die Eröffnungssequenz in Shanghai oder das ewige Gekreische von (Spielbergs Ehefrau) Kate Capshaw werden zu Klassikern. Das Abendessen mit eher ungewöhnlichen Rezepten wird zum Kultgespräch in Pausenräumen und Spielplätzen, und die Szene, in der Indy auf einer fragilen Hängebrücke in die Enge getrieben wird, gilt noch heute als eine der spannendsten der Filmgeschichte und sorgt 1984 für einen Ruhepuls von 190!
Angenehm sind die Verweise auf den ersten Teil (etwa, wenn Indy in der Nachahmung einer der Kultszenen des ersten Films nach seiner Waffe greift, diesmal allerdings nicht um den Säbelkampf herumkommt!) und der insgesamt lockere Tonfall des Jahrmarktabenteuers.
Obwohl dem zweiten Teil einiges an erzählerischer Finesse fehlt, gilt er bis heute vielen Fans des Mannes mit dem Hut als der liebste. In jedem Fall ist er der aufregendste und spannendste der Reihe.

GREMLINS – KLEINE MONSTER

Joe Dantes Weihnachtsfilm der etwas anderen Art nutzt die 1984 populäre Mischung aus Puppenspiel und Animatronik. Da CGI noch nicht erfunden sind, ist jedes der Monster handgemacht und muss per Hand gesteuert werden – eine wirklich mühselige Arbeit.
Der kleine Monsterfilm (einer der ersten, anschließend wurden Filme mit kleinen Monstern überaus populär!) erzählt daneben tatsächlich noch eine berührende Geschichte um Familie, Liebe, Werte und eine unangenehme, weibliche Bankinhaberin, die deutlich an Ebenezer Scrooge angelehnt ist.
Irgendwo zwischen Kinderfilm und Monsterhorror finden die süßen Mogwais, allen voran Gizmo, ihren Platz, und jeder Filmliebhaber kennt noch heute die drei Regeln!
1990 kommt eine in jeder Hinsicht bessere Fortsetzung ins Kino, die allerdings den Kleinstadt-Charme und die Weihnachtsatmosphäre gegen eine fast nicht mehr zu überblickende Masse an Satire und Selbstverweisen austauscht, und deshalb beim Publikum weit weniger beliebt ist.

BEVERLY HILLS COP

In den Achtzigern ist Eddie Murphy noch ein Name, der Respekt hervorruft: Niemand kann derartig schnell die Witze herausschießen wie der ehemalige SATURDAY NIGHT LIVE Star, und niemand wirkt dabei cooler. Mit BEVERLY HILLS COP katapultiert Murphy sich endgültig an die Spitze Hollywoods.
Die smarte Idee, Murphy als rotzigen Straßenpolizisten aus Detroit außer Rand und Band im edlen Beverly Hills ermitteln zu lassen, schlägt ein wie eine Bombe! Die kleine Krimikomödie wird zu einem von Murphys beliebtesten und erfolgreichsten Filmen und zieht bisher zwei Fortsetzungen nach sich. Aufgrund der schlechten Akzeptanz des dritten Teils bemüht Murphy sich aktuell stark um einen letzten, vierten Teil.
Eddie Murphy und sein schnodderiger Cop Axel Foley werden zum Sinnbild der lockeren Cop-Komödie der Achtziger. Bis heute ist BEVERLY HILLS COP ein flotter Actionspaß, dessen Soundtrack immer noch im Radio läuft.
Quelle: DVD "Beverly Hills Cop" © Paramount Pictures
Ebenfalls zum Megaerfolg wird der Soundtrack des Films mit Klassikern wie „Neutron Dance“, „The Heat Is On“, „Stir It Up“ und dem Titelsong „Axel F.“, der gleichzeitig den Produzenten Harold Faltermeyer an die Spitze der Achtziger hievt – wie kein zweiter kann Faltermeyer den Zeitgeist der Achtziger in seine Melodien legen. Faltermeyer gewinnt den Grammy für den BEVERLY HILLS COP Soundtrack und darf zwei Jahre später den Soundtrack für TOP GUN schreiben – den zweiten großen Achtziger Soundtrack, der ihm prompt seinen zweiten Grammy einbringt!
Kleines Funfact: Faltermeyer hat auch die erste Titelmelodie für WETTEN, DASS..? geschrieben!

POLICE ACADEMY

Ebenfalls um Polizisten, aber weniger cool, geht es in der Komödie POLICE ACADEMY.
Die als durchaus smarte Satire gestartete Filmreihe wird zu einem der größten Phänomene der späten Achtziger! Dem ersten, zwar bereits klamaukigen, aber inhaltlich noch versierten Teil von 1984 folgen bis 1994 sechs(!) Fortsetzungen und eine Zeichentrickserie.
Die Reihe hat nichts hinterlassen als ein hundsmiserables Image, ein Abziehbild einer Schwulenbar (Blue Oyster forever!) und eine Erinnerung an Michael Winslow, der mit seiner Fähigkeit, alle möglichen Geräusche zu imitieren, noch heute die Leute unterhält. Aktuell wird versucht, die Reihe mit einem achten Teil wieder aufleben zu lassen ...

NIGHTMARE ON ELM STREET

Ja, inmitten all der Klamaukreihen war sogar noch Platz für echte Horrorkracher!
Mit NIGHTMARE ON ELM STREET betreten zwei große Namen die internationale Kinobühne. Der erste ist Freddy Krueger. Das Traummonster gilt bis heute als einer der populärsten Schlitzer der Welt. Die Idee von Regisseur und Autor Wes Craven, seine Teenager ausgerechnet während der dringend nötigen Schlafphasen aufschlitzen zu lassen, ist ein voller Erfolg. Insgesamt sechs Fortsetzungen findet der Film bis 1994. Hinzu kommt ein Crossover in FREDDY VS. JASON und 2010 der Versuch eines Reboots. Bis heute hat die Pizzafresse mit dem grün-rot gestreiften Pullunder und der Klauenhand nichts von ihrer Popularität verloren.
Ähnlich ergeht es Johnny Depp – der spätere Tennyschwarm, Superstar und Vorzeige-Pirat liefert in NIGHTMARE ON ELM STREET sein Kinodebüt ab!

GHOSTBUSTERS

Ein Film, zu dem man wenig sagen muss. Fast jeder Filmfreund hat GHOSTBUSTERS wenigstens ein Mal gesehen, und weiß, was für ein Meisterwerk er ist. Und 1984 ist das Jahr, in dem Slimer, Venkman und Ectoplasma auf die Welt losgelassen werden! Danke dafür, 1984!
GHOSTBUSTERS spielt in Sachen Kultfaktor in einer eigenen Liga. Mittlerweile gilt er als einer der bekanntesten und beliebtesten Filme der Achtziger!
Quelle: Blu Ray "Ghostbusters" © Sony Pictures Home Entertainment

FOOTLOOSE

Die Achtziger bringen, im Windschatten von SATURDAY NIGHT FEVER, auch den Boom an Tanzfilmen mit sich. Einer davon wird FOOTLOOSE, in dem Kevin Bacon einem kleinen Ort den Stock aus dem Arsch zieht und die Einwohner endlich zum Tanzen bringt!
Aus heutiger Sicht ein etwas albernes Machwerk, aber Mitte der Achtziger neben FLASHDANCE und DIRTY DANCING ein echtes Highlight. Auch hier gilt wieder: Die Achtziger besitzen einen intensiven Zeitgeist, der sich perfekt in einer Mischung aus Film und Musik einfangen lässt! FOOTLOOSE wartet wie seine Kollegen mit einem sensationellen (viel verkauften) Soundtrack auf und trumpft mit der Attitüde: „Mit Party, guter Musik und Tanz lässt sich jedes Problem lösen!“ Und wer könnte im Kinosaal schon die Füße stillhalten, wenn auf dem Höhepunkt des Abschlussballs Kevin Bacon schreit: „Ich dachte, das hier ist eine Party!“ und Kenny Loggins‘ Smashhit aus den Boxen dröhnt? Eben!

AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN

Bevor wir zu unseren beiden Topfilmen kommen, wollen wir wenigstens noch kurz die Preisträger des Jahres vorstellen! Den Golden Globe für die beste Komödie heimst 1984 AUF DER JAGD NACH DEM GRÜNEN DIAMANTEN ein. Für den Film findet sich ein echtes Erfolgstrio mit dem Hauptpärchen Michael Douglas und Kathleen Turner und Danny DeVito in einer Nebenrolle. Alle drei sehen sich im Folgejahr in AUF DER JAGD NACH DEM JUWEL VOM NIL wieder, bevor sie ihre Zusammenarbeit 1989 mit der bis heute unerreicht bösen Komödie DER ROSENKRIEG krönen.
Douglas und Turner werden vom Fleck weg zum neuen Leinwandtraumpaar – die Chemie zwischen beiden ist unübersehbar. Neben der Spielfreude sticht vor allem Robert Zemeckis‘ flotte Regie hervor. Der ehemalige Spielberg-Zögling gewinnt mit diesem Erfolg soviel Einfluss, dass er sich ein Jahr später endlich seinen Traum erfüllen kann und seine lang geplante Zeitreise-Abenteuerkomödie inszenieren darf: ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT!

AMADEUS

Die Achtziger sind auch die Zeit der großen Epen, wenn es um die Oscars geht: Ob nun DIE FARBE LILA, GHANDI, Kurosawas RAN, JENSEITS VON AFRIKA oder DER LETZTE KAISER, sowas wird damals gerne gesehen.
1984 erscheint mit AMADEUS eine Theaterverfilmung, die alle anderen Epen in den Schatten stellt. Die Lebensgeschichte von Wolfgang Amadeus Mozart, dramatisch erzählt aus der Sicht seines ewigen Konkurrenten Salieri, der einerseits Mozarts größter Fan ist, aber gleichzeitig so zerfressen von Neid, dass er den Emporkömmling um jeden Preis vernichten muss, verzaubert mit einigen der prachtvollsten Kulissen und Kostüme, die je in einem Film zu sehen waren, mit überlebensgroßen Gefühlen und, natürlich, der wunderbaren Musik Mozarts!
Prunkvoll, prachtvoll, episch - AMADEUS verbindet Shakespearsches Drama mit einer der ausladensten Kostümschwelgereien der Filmgeschichte und Mozarts unvergleichlicher Musik, und wird zum Oscarabräumer des Jahres!
Quelle: DVD "Amadeus - Director's Cut" © Warner Home Entertainment
Der Film staubt acht Oscars ab (bei elf Nominierungen), und zwar alle für Kostüm, Setdesign und Makeup, den besten Sound, das beste Drehbuch, die beste Regie, den besten Film und für F. Murray Abraham, der den zerrissenen Salieri spielt, als bester Hauptdarsteller. Mozartdarsteller Tom Hulce geht leer aus (womöglich wegen seiner Lache!), ebenso wie die Kamera und der Schnitt.
F. Murray Abraham erhält in den folgenden Jahren nur noch Rollen als Bösewicht, was 1993 in der (schwer unterschätzten!) Meta-Action-Satire LAST ACTION HERO zu der wunderbaren Zeile führt: „Trau dem nicht, der hat Mozart getötet!“
Übrigens: Im echten Leben waren Mozart und Salieri zwar durchaus Konkurrenten, da Mozart Freiberufler war, einander aber freundschaftlich sehr verbunden.

Womit wir bei den Kult-Topfilmen 1984 angekommen sind!

KARATE KID

Die Mutter aller Teenagerfilme!
Okay, das stimmt nicht, aber einer der bedeutsamsten. Wie nie zuvor wird hier dem Genre des Außenseiter-Movies der Zeitgeist aufgesetzt: Geschasster Teenager freundet sich mit weisem Japaner an und lernt Karate, um es den bösen Jungs an der High School zu zeigen! Was seither zum Klischee verkommen ist (und 1986 mit KARATE TIGER noch eine Stufe verschärft wird), ist 1984 noch vollkommen neu!
Der Film bringt alles mit, was ein Superblockbuster braucht: Herz, eine tolle Moral, einen Underdog, der sich durchsetzt, eine Frau, die erobert werden will, einen kauzigen Alten mit weisen Sprüchen und nochmals ganz viel Herz! Obwohl simpel gestrickt, ist es eigentlich unmöglich, den Film und seine Figuren nicht zu mögen! Alles hier appelliert an das Gute im Menschen, und „Pat“ Moritas Auftritt als Mister Miyagi gehört noch heute zum Kultigsten, was die Achtziger je hervorgebracht haben! Wer bei Sätzen wie „Auftragen, polieren“ nicht die korrekte Handbewegung kennt, hat den Film schlicht nicht gesehen. Drei Fortsetzungen (die letzte mit Hilary Swank) und ein Reboot 2010 mit Jacky Chan als weisem Lehrer Mr. Han zeigen zeigen ebenso wie der Erfolg als Running Gag in den letzten Folgen von HOW I MET YOUR MOTHER, dass die Message des Films einfach nicht altern will.
Und wer keine Gänsehaut bekommt, wenn Daniel-san vom fiesen Cobra-Khan Johnny unfair vermöbelt wird und in einem letzten verzweifelten Versuch den Kranich macht, hat einfach kein Herz! So!

THE TERMINATOR

Ein weiterer Film, über den man kaum noch ein Wort verlieren muss! Das Regiedebüt des ehemaligen Roger Corman Effekthelfers James Cameron wird mit einem Budget von knapp 6,5 Millionen Dollar zu einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Genre Filme aller Zeiten, und genießt eine ähnliche Bedeutung wie STAR WARS! Das Low Budget Werk begründet eines der erfolgreichsten Franchises der Welt (aktuell wird Teil fünf beendet), die Karrieren von Arnold Schwarzenegger, seinem Spruch „I’ll be back“, von Linda Hamilton, von unzählbaren Achtziger Filmen, die das Wort „Terminator“ im Titel tragen, von Gale Anne Hurd und natürlich von Regisseur und Autor James Cameron!
Camerons Sci-Fi-Thriller kommt mit einem extrem straffen Drehbuch daher, mit einem Bösewicht, der ebenso gnadenlos und unaufhaltbar ist, wie seinerzeit das ALIEN, und einer tragischen Offenbarung am Ende der Zeitschleife. (Übrigens: Auch wenn stets geunkt wird, Schwarzenegger habe nur wenige Zeilen Dialog, ist der gesamte Film sehr wortkarg. Von wenigen Erläuterungen abgesehen, in denen die Figur Kyle Reese die Welt erklärt, aus der er kommt, wird generell nur wenig gesprochen. Viele Sequenzen, vor allem die Verfolgungsjagden, kommen teilweise zwanzig Minuten lang ohne Dialog aus!) Auch die eingängige Titelmelodie von Brad Fiedel, die unnachahmlich zwischen Hoffnung und Verzweiflung changiert, trägt zum Erfolg bei, ebenso wie die Chemie zwischen den Schauspielern und natürlich, erneut, der Zeitgeist: die Angst vor einem Atomkrieg und vor der Übermacht der Technik, die dem Film innewohnt. Und natürlich begeistert er mit den Spezialeffekten aus der Hand von Stan Winston, die seinerzeit Ihresgleichen suchen!
Das kleine Filmchen explodiert auf der Leinwand zum Kulthit! THE TERMINATOR ist einer der einflussreichsten Actionfilme der Achtziger!
Quelle: Blu Ray "Der Terminator" © 20th Century Fox
THE TERMINATOR ist und bleibt der König der Könige und das filmisch vermutlich beste Gesamtpaket des Jahres 1984! Kein anderer Film verbindet Tragik, Filmmusik, Figurenzeichnung, ein Regiedebüt, die Spezialeffekte, den Zeitgeist, Independent Film, Kassenerfolg, ein bis heute gültiges Franchise und den niemals alternden Kultstatus mehr als THE TERMINATOR!

Und dann ist da noch ...


Eine vollständige Aufzählung aller Hits des Jahres 1984 würde jeglichen Rahmen sprengen. So liefern die Coen Brüder mit BLOOD SIMPLE ihr Debüt ab, während Jim Jarmusch mit STRANGER THAN PARADISE seinen Durchbruch feiert. Der Durchbruch gelingt auch Chuck Norris, der mit MISSING IN ACTION seine Kultfigur des John Braddock und sein Image als unschlagbare Kampfmaschine begründet. Mit DER KRIEG DER EISPIRATEN und DER LETZTE STARFIGHTER kommen zwei der seinerzeit besseren STAR WARS Klone ins Kino. Besonders DER LETZTE STARFIGHTER gilt als Frühwerk des Young Adult Films und wird ein Video-Kultfilm für eine ganze Generation.
Auch der Erotikthriller feiert mit halbnackten Körpern und undurchsichtigen Plots ein erfolgreiches Jahr: DER TOD KOMMT ZWEIMAL (sexy: Melanie Griffith!), CHINA BLUE BEI TAG UND NACHT (heiß: Kathleen Turner) und GEGEN JEDE CHANCE (erotisch: Jeff Bridges und Rachel Ward) begeistern das erwachsene Publikum. GEGEN JEDE CHANCE findet dank Phil Collins (seinerzeit noch ein Megastar!) auch seinen Weg in die Charts.
Auch der Troma-Klassiker THE TOXIC AVENGER erscheint 1984 und wird augenblicklich zum Geheimtipp! Das schleimig-blutige Splatterwerk mit "dem ersten Superhelden aus New Jersey" nimmt viel von dem vorweg, worauf Peter Jackson wenige Jahre später dank BAD TASTE und BRAINDEAD seine Karriere begründen wird.
Daniel Larusso und Mister Miyagi werden zu zwei der populärsten Teenageridole des Jahres und KARATE KID zu einem der sympathischsten Filme der Achtziger!
Quelle: Blu Ray "Karate Kid" © Sony Pictures Home Entertainment
Weitere Filme, die eine Besprechung wert wären, sind TOP SECRET!, DAS PHILADEPLHIA EXPERIMENT, SOLO FÜR 2, DIE RACHE DER EIERKÖPFE (besonders in Amerika ein bedeutendes Werk!), BUCKAROO BANZAI und all die anderen großen und kleinen Perlen des Jahres 1984. Doch wir wollen zum Ende kommen – und werden noch einmal trashig!

Und der Sonderpreis 1984 geht an ...


ROCK ALIENS

Ein Film, der (zu Recht) nirgendwo je Erwähnung findet, und von dem trotzdem jeder schon gehört hat, der Achtziger-Partys liebt. Genau wie von Pia Zadora! Zadora wird in den Achtzigern als untalentierte Sängerin und Schauspielerin berühmt, die trotzdem immer wieder Platten aufnimmt und Filme dreht. Der Grund: Ihr Ehemann ist mehr als betucht und zahlt großzügig für die künstlerischen Ausflüge seiner Frau. Ein Ergebnis dieser fruchtbaren Zusammenarbeit ist ROCK ALIENS, mit Sicherheit einer der schlechtesten Filme der Achtziger, insbesondere von 1984: Als Aliens die Welt überfallen, können sie nur mit Rockmusik zurückgeschlagen werden!

Der Grund, weshalb der Film eine Abschlusserwähnung wert ist, ist nicht nur, dass auf irgendwelchen Umwegen gestandene Schauspieler wie Craig Sheffer und Tom Nolan darin gelandet sind, sondern vor allem der Song, den Pia Zadora gemeinsam mit Jermaine Jackson (Bruder von Michael Jackson) dafür aufnimmt. Zwar floppt der Song in den USA ebenso wie der Film, in Deutschland allerdings landet er prompt auf Platz 1 der Single-Charts und gilt heute als fester Ohrwurm auf allen Achtziger Partys.
Sowohl der Song als auch das Video zeigen schonungslos das Lebensgefühl, das 1984 herrscht. Womöglich schlimmer, als George Orwell es sich hätte erträumen können: die Kleidung, die Kostüme, die Motorräder, die Beleuchtung – da will Big Brother gar nicht hinsehen!
Von daher wollen wir uns mit einem musikalischen Porträt von einem der besten Filmjahre aller Zeiten verabschieden! Leb wohl, 1984, und danke für die vielen unterhaltsamen Stunden!
Ladys and Gentlemen: Pia Zadora und Jermaine Jackson mit: "When The Rain Begins to Fall!"


Jermaine Jackson & Pia Zadora - When The Rain... von jpdc11

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